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Auf dem Boden der Oris Kelp Forest sind Tang und eine Nummer bis 1.000 graviert. Anders als bei früheren Meeresschutz-Editionen nennt Oris diesmal weder Partner noch Spende, also muss das Motiv die ganze Arbeit allein machen. Wie so etwas ausgeht, weiß man im Schwarzwald von der Kuckucksuhr.

Oris Aquis Date Kelp Forest Limited Edition Ref. 01 733 7787 4187-Set #Aquis Date #Kelp Forest #Taucheruhren #Limited Edition #Meeresschutz

Auf dem geschlossenen Stahlboden der neuen Oris Aquis Date Kelp Forest Limited Edition wächst Tang. Das Relief aus langen Tangblättern zieht sich über die ganze Fläche, ringsum steht „Kelp Forest Limited Edition“, darunter ein Feld für die Nummer, irgendwo zwischen 1 und 1.000. Gewidmet ist die Taucheruhr den Kelpwäldern im Meer, dichten Beständen aus Riesentang, einer Braunalge, die vom felsigen Grund bis zur Wasseroberfläche wächst und darunter einen Wald bildet, in dem Fische und andere Meerestiere Nahrung und Schutz finden. Wärmeres Wasser und kommerzielle Nutzung setzen ihnen seit Jahren zu, schreibt Oris, entsprechend schrumpfen sie. Der Boden erzählt davon mit Schriftzug, Relief und Nummer. Was diese Nummer eigentlich zählt, versteht man allerdings erst beim Blick auf eine ältere Oris.

Gehäuseboden der Oris Kelp Forest Limited Edition mit Tang-Relief, Schriftzug Kelp Forest Limited Edition und Nummernfeld Tang, Schriftzug, Nummernfeld, alles in Stahl. Bild: Oris.

Die Yangtze Jiangtun, ebenfalls eine Aquis Date, ist auf 1.249 Stück limitiert, weil eine staatliche Zählung im Jangtse 2022 auf ungefähr diese Zahl Glattschweinswale kam. Dazu gehört Oris' Partnerschaft mit der Changjiang Conservation Foundation. Ihre Auflage zählt also einen Bestand. Die 1.000 auf dem Boden der Kelp Forest klingt dagegen eher nach Produktplanung als nach Meeresbiologie und zählt nichts außer den Uhren selbst, denn Oris nennt diesmal weder Partner noch Spende und gibt als Ziel nur an, das Bewusstsein für die Bedrohung zu schärfen. Bewusstsein hat gegenüber einer Spende den Vorteil, dass es keine Quittung braucht.

Was an der Uhr vom Anliegen sichtbar bleibt, ist das Motiv, ein Wald aus Stahlrelief und Druckfarbe. Wie es einem Wald auf einer Uhr auf lange Sicht ergeht, weiß man im Schwarzwald. Wer wie ich von dort stammt, denkt bei einem geschnitzten oder gedruckten Wald auf einem Gehäuse zuerst an die Kuckucksuhr, die seit dem 19. Jahrhundert geschnitztes Laub auf ihrem Gehäuse trägt. An ihr lässt sich verfolgen, wie ein solches Motiv zunächst etwas über die Herkunft einer Uhr erzählt und irgendwann nur noch dazugehört. Ob die Meeresreihe von Oris auf demselben Weg ist, entscheidet sich an Editionen wie dieser.

Riff, Hafen, Fluss, Tang

Lang genug für einen solchen Weg ist die Reihe jedenfalls. Vor dem Tang hat Oris schon das Great Barrier Reef, den New Yorker Hafen mit seinen wieder angesiedelten Austern und den Jangtse auf limitierte Taucheruhren gebracht. Von außen sieht das inzwischen so ungefähr wie ein Format aus: neues Gewässer, neues Zifferblatt, neue Limitierung. Ein Format ist praktisch, solange jede Folge ihren eigenen Grund hat.

Angestoßen hat die neue Edition der Unterwasserfotograf Francis Pérez, Markenbotschafter von Oris, der den Rückgang der Kelpwälder über Jahrzehnte dokumentiert hat. Oris beschreibt das Problem als „Entwaldung unter Wasser“. Pérez erwartet, dass die Uhr viel Gesprächsstoff liefert. Unehrlich ist das nicht, denn mehr als Gesprächsstoff verspricht niemand. Gesprächsstoff ist immerhin das einzige Material dieser Uhr, das Oris ohne Aufpreis mitliefert. Für eine Marke, die selbst von Entwaldung spricht, ist das allerdings wenig, denn das Wort weckt die Erwartung, dass irgendwo jemand aufforstet.

Kelpwald aus Riesentang der Art Lessonia trabeculata, Unterwasseraufnahme von Francis Pérez So sieht das Original aus, fotografiert von Francis Pérez. Bild: Oris.

Fünfzig Euro für das Bild

Bezahlt wird bei der Kelp Forest vor allem Relief, auf dem Zifferblatt wie auf dem Boden. Was das kostet, verrät die Preisliste. In Deutschland kostet die Kelp Forest 2.450 Euro, die ganz normale grüne Aquis Date in gleicher Größe am Stahlband fünfzig Euro weniger. Für den Aufpreis gibt es die beiden Reliefs und die Limitierung. Dafür fällt der Glasboden weg, durch den man bei der Serienuhr aufs Automatikwerk schaut, bei Oris Kaliber 733 genannt. Man zahlt also fünfzig Euro mehr, um vom Werk weniger zu sehen. Bei einem Kaliber mit 41 Stunden Gangreserve muss das kein Verlust sein, ergibt aber für eine Edition über schwindende Wälder eine eigenwillige Bilanz: Auf dem Boden wächst Tang, dafür verschwindet das Uhrwerk dahinter.

Das Bild, für das man den Aufpreis bezahlt, ist immerhin gelungen. Auf den Bildern liegt das Grün nicht gleichmäßig auf dem Blatt, es hellt zur Mitte hin auf und bekommt goldene Schlieren in einer feinen Körnung, die wie Licht wirkt, das durch bewegtes Wasser fällt. Die Minuterie, also die Minutenskala am Rand, ist in hellem Limettengrün gedruckt. Zeiger und Indizes tragen goldene Fassungen und sind mit Super-LumiNova belegt, der Leuchtmasse, die im Dunkeln die Zeit verrät. Die Lünette, also der Drehring, an dem Taucher ihre Tauchzeit ablesen, hat eine grüne Keramikeinlage. Wasserdicht ist das Ganze bis 300 Meter, was für einen Kelpwald locker reicht, denn der wächst selten tiefer als 40 Meter. Unter den vielen grünen Taucheruhren der letzten Jahre ist das wohl eine der eigenständigeren. Ob das Relief am Handgelenk so lebendig wirkt wie im Studiolicht, verraten die Bilder natürlich nicht.

Nahaufnahme des grünen 3D-gedruckten Zifferblatts der Oris Kelp Forest mit goldgefassten Zeigern, limettengrüner Minuterie und Datum bei sechs Uhr Viel Grün, etwas Gold und eine Minuterie in Limette. Bild: Oris.

Damit rückt die Kelp Forest näher an die Kuckucksuhr heran, als es einer Meeresschutz-Edition lieb sein kann: an einen Wald, der auf der Uhr vor allem gut aussehen soll.

Im Schwarzwald hängt der Wald an der Wand

Die Kuckucksuhr im Bahnhäusle, wie sie noch immer in Souvenirläden zu finden ist, geht auf einen Entwurf zurück, den der Architekt Friedrich Eisenlohr 1850 auf einen Aufruf der Uhrmacherschule in Furtwangen hin einreichte. Er setzte ein Zifferblatt in die Fassade eines Bahnwärterhäuschens und schmückte das Schild mit Efeulaub. Ab den 1860er-Jahren wucherte auf diesen Gehäusen geschnitztes Reb- und Eichenlaub, zwischen dem Tiere aus den heimischen Wäldern saßen. Selbst die Gewichte bekamen die Form von Tannenzapfen. Binnen weniger Jahre wurde sie damit, so schreibt es das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen, zu einem der erfolgreichsten Erzeugnisse der Region.

Anfangs erzählte dieser geschnitzte Wald von der Gegend, aus deren Werkstätten die Uhren kamen. Mit dem Erfolg wurde er zur Ausstattung, die so selbstverständlich dazugehört wie die Tannenzapfen an der Kette, sodass ihn kaum noch jemand als Aussage über den Schwarzwald liest. Das ist keine Schwäche der Kuckucksuhr, denn sie ist als Andenken angetreten und wird als Andenken gekauft. Bei der Kelp Forest übernehmen auf dem Zifferblatt ein 3D-Druckverfahren und auf dem Boden ein Graveur, was im Hochschwarzwald das Schnitzmesser erledigte. Der Unterschied liegt im Anspruch, mit dem der Wald auf die Uhr kommt: Eine Meeresschutz-Edition kann sich nicht so bequem auf das Andenken zurückziehen.

Wann der Wald zur Folklore wird

Noch ist der Unterwasserwald bei Oris keine Schnitzerei von der Stange, denn eine einzelne Edition macht keine Gewohnheit. Folgen auf die Kelp Forest weitere Editionen, die nur noch Bewusstsein anbieten, beginnt allerdings der Weg, den die Kuckucksuhr schon gegangen ist. Dann bekäme jede neue Aquis ihren bedrohten Lebensraum so selbstverständlich mit wie ihre Referenznummer. Das Meer auf dem Zifferblatt würde zu dem, was das Laub am Bahnhäusle längst ist.

Platz wäre auf dem Boden der Kelp Forest übrigens gewesen. Zwischen dem Schriftzug am Rand und dem Feld mit der Nummer bleibt genug Stahl für den Namen einer Organisation, die Kelpwälder wieder aufforstet. Die 1.000 hätte dann zwar noch immer keinen Bestand gezählt wie die 1.249 der Jangtse-Edition, aber wenigstens verraten, für wen gezählt wird. Am Tang selbst läge es nicht. Er wächst bis zu 60 Zentimeter am Tag, sagt Oris, nur eben nicht auf Stahl, wo er genauso stillhält wie das geschnitzte Laub am Bahnhäusle.

Oris

Aquis Date Kelp Forest Limited Edition · Ref. 01 733 7787 4187-Set

UVP

2.450 €

⌀ 41.5 mm

Material
Edelstahl
Wasserdicht
300 m
Zifferblatt
Grün
Werk
Oris Kaliber 733, Automatik
Gangreserve
41 Stunden
Armband
Edelstahlband

Verfügbar Ab Oktober 2026

Limitiert · 1000 Stück

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