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Die Sternscheibe der Yema Spacegraf Heure Sidérale geht jeden Tag knapp vier Minuten vor, astronomisch korrekt. Nachweisen lässt sich das nur mit Taschenrechner und Jahresgeduld, denn die Scheibe weiß, wie schnell sich der Himmel dreht, aber nicht, wo er steht.

Yema Spacegraf Heure Sidérale Tourbillon Volant Millésime 2026 Ref. 60.26.32.06.TEL.L6 #Spacegraf #Heure Sidérale #Tourbillon #Sternzeit #Limited Edition

Bei zwölf Uhr liegt ein Himmel. Eine helle Scheibe mit fein gezogenen Sternbildern, die zum Rand hin unter getöntem Saphir ins Dunkle ausläuft. Einmal pro Stunde wischt der Minutenzeiger der Yema Spacegraf Heure Sidérale Tourbillon Volant darüber hinweg, als gehöre ihm das Firmament. Gegenüber bei sechs Uhr dreht sich ein fliegendes Tourbillon. Beide liegen unter denselben Zeigern und halten sich trotzdem an verschiedene Uhren. Die Zeiger gehen nach der bürgerlichen Zeit, nach der Züge fahren und Zahnarzttermine beginnen. Die Scheibe geht nach den Sternen, deren Tag knapp vier Minuten kürzer ist.

Yema, 1948 gegründet und in Morteau im französischen Jura zu Hause, nennt die Uhr Millésime 2026. Im Weinbau ist das der Jahrgang. Dort bürgt er dafür, dass alle Trauben aus demselben Sommer stammen. Hier bürgt er für das Erscheinungsjahr, was weniger ist, sich aber zuverlässiger einhalten lässt. Gebaut werden 150 nummerierte Exemplare der Referenz 60.26.32.06.TEL.L6.

Vier Minuten, die ein Jahr ergeben

Ich mochte die Idee, bevor ich sie nachgerechnet hatte. Nachrechnen lohnt sich trotzdem. Gemessen an den Sternen dreht sich die Erde in 23 Stunden, 56 Minuten und 4 Sekunden einmal um sich selbst. Für die Sonne braucht sie knapp vier Minuten länger, weil sie auf ihrer Bahn inzwischen ein Stück weitergezogen ist und das letzte Grad noch nachdrehen muss. Unsere 24 Stunden sind also der Sonnentag. Wer abends öfter nach oben schaut, kennt die Folge, ohne je gerechnet zu haben: Jeder Stern geht pro Abend rund vier Minuten früher auf. Deshalb steht im Winter Orion am Abendhimmel, im Sommer nicht. Aufs Jahr kommt so ein ganzer Tag zusammen, 366 Sterntage auf 365 Sonnentage.

Auf diesen Takt ist die Scheibe der Spacegraf übersetzt, eine Umdrehung pro Sterntag. Sie ist damit das einzige Bauteil der Uhr, das vorgehen soll. Das Werk darunter ist auf eine Abweichung zwischen minus drei und plus sieben Sekunden reguliert. Die Scheibe gewinnt 236 Sekunden am Tag. In jeder anderen Uhr wäre das ein Fall für den Uhrmacher, in dieser ist es die Komplikation, also die Zusatzfunktion jenseits von Stunde und Minute, für die man den Aufpreis bezahlt.

Zifferblatt der Yema Spacegraf Heure Sidérale schräg von oben mit heller Sternscheibe bei zwölf Uhr, Minuterie und Schwertzeigern Bild: Yema.

Ein Himmel ohne Horizont

Sehen kann man von diesem Vorsprung nichts. Die Scheibe trägt am Rand feine Striche ohne Ziffern, auf dem Zifferblatt sitzt kein Index, an dem sich eine Sternzeit ablesen ließe. Gegenüber einer gewöhnlichen 24-Stunden-Scheibe wandert sie pro Tag knapp ein Grad weiter, nach einem Monat sind es rund dreißig. Wer würde es merken, wenn sie in 24 Stunden liefe? Nachweisen lässt sich diese Komplikation mit Taschenrechner und Jahresgeduld, dazu ein Foto vom Zifferblatt an jedem Abend zur selben Uhrzeit.

Für mehr als das Tempo fehlen der Scheibe ohnehin zwei Dinge, ein Horizont und ein Ort. Die drehbare Sternkarte aus Karton, die mancher aus dem Erdkundeunterricht kennt, hat beides: ein ovales Fenster, zugeschnitten auf eine geografische Breite, das alles abdeckt, was gerade unter dem Horizont liegt. Die Spacegraf zeigt die ganze Karte, Sterne über und unter dem Horizont friedlich nebeneinander. Welche davon über Morteau am höchsten stehen, hängt vom Längengrad ab. Welche dort überhaupt aufgehen, hängt vom Breitengrad ab. Den kennt das Fenster nicht. Den Längengrad müsste der Besitzer beim Stellen selbst mitbringen, ohne Skala nach Augenmaß. Das ginge vermutlich irgendwie. Wie, lässt sich am Zifferblatt nicht ablesen.

Besançon hat es andersherum gemacht

Dass ausgerechnet in dieser Gegend jemand den Himmel aufs Zifferblatt holt, hat eine Vorgeschichte. 1878 bekam Besançon per Präsidialdekret ein Observatorium, weil die Uhrmacher der Stadt ihre Uhren an den Sternen prüfen lassen wollten. Morteau liegt im selben Département. Zur Sternwarte gehörte ein Meridiankreis, ein fest eingebautes Fernrohr, das nur auf die Nord-Süd-Linie des Himmels schaut. Zieht ein Stern hindurch, liefert er seine Position und die genaue Uhrzeit gleich mit.

Am Meridiankreis waren die Rollen klar verteilt. Das Fernrohr stand still, der Himmel zog vorbei. Lag eine Uhr daneben, wurde die Uhr korrigiert, nie der Himmel. Auf der Spacegraf hat die Uhr das letzte Wort. Die Scheibe hängt am Räderwerk und folgt ihm samt jedem seiner Fehler: Läuft das Werk sieben Sekunden vor, geht auch der Himmel sieben Sekunden vor. Besançon hat die Zeit aus den Sternen gelesen, Morteau leitet die Sterne aus der Zeit ab.

Die Scheibe weiß, wie schnell sich der Himmel dreht. Wo er steht, weiß sie nicht.

Ein Tourbillon ohne Deckel

Den Takt liefert das Kaliber CMM.32, das Kürzel steht für Calibre Manufacture Morteau. Ein Tourbillon packt Unruh und Hemmung, also den Taktgeber samt dem Bauteil, das seine Schwingungen ans Räderwerk weitergibt, in einen Käfig, der sich ständig um sich selbst dreht. So sollen sich die Gangfehler ausgleichen, die je nach Lage der Uhr durch die Schwerkraft entstehen. Fliegend nennt man es, wenn oben keine Brücke drüberliegt und der Käfig nur von unten gehalten wird. Man schaut also frei in die Drehung. Auf dem Käfig zählt ein kleiner Zeiger gewissenhaft Sekunden, eine Zifferblatthälfte weiter oben gewinnt der Himmel Minuten.

Erstaunlich unprätentiös ist der Rest. Ein großes Federhaus, eigens von Générale Ressorts gefertigt, hält 105 Stunden durch. Teile der Hemmung entstehen im LiGA-Verfahren, einer Fertigung für sehr feine Mikroteile, die weniger reiben sollen. Gegen Magnetfelder ist das Werk bis 2.000 Gauß geschützt, gegen Stöße ebenfalls. Ein Tourbillon, das man nicht in Watte packen muss, ist in dieser Preisklasse fast schon eine Provokation.

Bleibt die Frage, wie viel Morteau im Calibre Manufacture Morteau steckt. Manufaktur nennt die Branche eine Marke, die ihr Werk selbst baut, statt es zuzukaufen. Konstruiert wurde das CMM.32 in der Schweiz. Werkteile kommen aus Frankreich und der Schweiz, Gehäuse, Zifferblatt und Zeiger aus der Schweiz. In Morteau fertigt Yema Brücken und Platinen, dort wird die Uhr auch zusammengesetzt. Alles entsteht in einem Umkreis von 72 Kilometern, der von Morteau aus, ein paar Kilometer vor der Grenze, weit in die Schweiz reicht. Allzu ernst nimmt man diese Grenze im Jura ohnehin nicht. Seit 2020 steht die Uhrmacherei beider Seiten gemeinsam auf der Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes.

Unten auf dem Zifferblatt steht klein „Manufacture Française“. Das Zifferblatt kommt aus der Schweiz.

Rückseite der Yema Spacegraf Heure Sidérale mit tiefblauem Kaliber CMM.32, gravierten Sternbildern und Sperrrad mit Weltkarte Bild: Yema.

Günstig für ein Tourbillon, verkehrt bei Nacht

Die Spacegraf kostet 14.500 Euro, ausgeliefert wird ab Dezember 2026. Für ein fliegendes Tourbillon mit einer zweiten, astronomisch begründeten Anzeige liegt das im Tourbillonfach eher am unteren Rand. Ich hatte mit mehr gerechnet. Das Gehäuse ist aus Titan, 42 Millimeter breit und 12,15 Millimeter hoch. Auf den Bildern braucht das Zifferblatt jeden dieser Millimeter, denn Sternfenster und Tourbillonöffnung sind fast gleich groß und lassen den Zeigern wenig Luft. Wie das am Handgelenk wirkt, zeigen die Bilder nicht.

Dafür zeigen sie die Nacht. Zeiger und Indizes bestehen aus massiven Blöcken Leuchtmasse, die Sternscheibe leuchtet mit. Auf dem Leuchtbild glimmt allerdings die Fläche, während die Sternbilder als dunkle Linien darauf liegen. Im Dunkeln trägt die Spacegraf ihren Himmel als Negativ, schwarze Sterne auf hellem Grund. Mir gefällt das. Eine Uhr, die so genau rechnet, darf sich eine Freiheit leisten, die jedes Kind sofort bemerkt.

Yema Spacegraf Heure Sidérale im Dunkeln mit leuchtenden Zeigern, Indizes und Sternscheibe Bild: Yema.

Der 366. Tag

Damit die Scheibe ihren Vorsprung sammelt, muss die Uhr laufen. Die Spacegraf wird von Hand aufgezogen. Nach 105 Stunden, also gut vier Tagen, steht das Werk. Mit ihm steht der Himmel, bis jemand an die Krone denkt. Danach geht er um die Standzeit nach, ohne dass ein Index verrät, um wie viel.

Wer sie ein Jahr lang nie stehen lässt, hat danach etwas geschafft, das kein Zifferblatt anzeigt. Die Scheibe hat 366 Runden gedreht, der Kalender 365 Tage gezählt. Sie ist ihrem Besitzer einen ganzen Tag voraus, sauber gerechnet und für niemanden sichtbar. In Besançon hätte man diesen Tag am Himmel nachgemessen. Die Spacegraf kann ihn nur behaupten, solange ihr Werk richtig läuft. Wo die Sterne stehen, sagt sie nicht. Sie hebt ihrem Besitzer einen Tag auf, den kein Kalender kennt.

Yema

Spacegraf Heure Sidérale Tourbillon Volant Millésime 2026 · Ref. 60.26.32.06.TEL.L6

UVP

14.500 €

⌀ 42 mm

Material
Titan Grade 5
Wasserdicht
100 m
Zifferblatt
Schwarz
Werk
CMM.32, Handaufzug, fliegendes Tourbillon
Gangreserve
105 Stunden
Armband
Leder, schwarz
Höhe
12.15 mm

Verfügbar Lieferung ab Dezember 2026

Limitiert · 150 Stück

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