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A. Lange & Söhne Lange 1 Daymatic Honeygold
Opinions ·16. Januar 2026

A. Lange & Söhne Lange 1 Daymatic Honeygold

A. Lange & Söhne Lange 1 Daymatic Honeygold

7 Min. Lesezeit

Wenn die Lange 1 beschließt, London im Smoking zu besuchen.

Die andere Lange 1 wird golden

In der Old Bond Street trägt selbst Zurückhaltung einen gut geschnittenen Mantel. Zwischen Juwelieren, Traditionshäusern und diskretem Mayfair-Geld eröffnete A. Lange & Söhne im Dezember 2025 eine vierstöckige Flagship-Boutique mit eigenem Uhrmacher. Sechs Tage später folgte die passende Uhr: eine Lange 1 Daymatic in Honiggold, auf 250 Exemplare begrenzt und farblich so britisch distinguiert, dass selbst ihr braunes Silberzifferblatt nach Ledersessel aussieht.

Der 7. Dezember gehört allerdings nicht London allein. In der Geschichtsschreibung der Manufaktur markiert das Datum sowohl Ferdinand Adolph Langes Aufbruch in Glashütte im Jahr 1845 als auch Walter Langes Neubeginn 1990. Die Ref. 320.050 steht deshalb mit einem Fuß in Mayfair und mit dem anderen in Sachsen. Bei einer Uhr mit gespiegeltem Zifferblatt ist diese doppelte Blickrichtung ausgesprochen passend.

A. Lange & Söhne Lange 1 Daymatic Honeygold

Die Lange 1 im Spiegel

Die Daymatic ist keine Lange 1, der lediglich ein automatischer Aufzug eingesetzt wurde. Als A. Lange & Söhne das Modell 2010 vorstellte, erhielt es eine eigene Ordnung. Das asymmetrische Zifferblatt der handaufgezogenen Lange 1 blieb als Grundidee erhalten, wurde jedoch gespiegelt. Stunden und Minuten rückten auf die rechte Seite, die kleine Sekunde und das Großdatum auf die linke. An die Stelle der Gangreserveanzeige trat am linken Zifferblattrand eine retrograde Wochentagsanzeige.

Der Zeiger bewegt sich im Laufe der Woche von Montag bis Sonntag nach oben und springt anschließend an den Anfang der Skala zurück. Damit bietet die Daymatic nicht einfach eine zusätzliche Anzeige, sondern tauscht eine Information gegen eine andere. Die klassische Lange 1 zeigt, wie lange ihr Werk noch laufen wird. Die Daymatic zeigt, an welchem Tag man lebt, und übernimmt das Aufziehen selbst.

Diese Umkehrung verändert die Wirkung stärker, als es auf den ersten Blick scheint. Das große Zeitzifferblatt erhält rechts noch mehr optisches Gewicht, während Großdatum, kleine Sekunde und Wochentag links eine kompakte Kalenderseite bilden. Wer die Uhr am linken Handgelenk unter einer Manschette trägt, kann die Zeit bereits ablesen, wenn nur der rechte Teil des Zifferblatts sichtbar wird. Lange selbst erklärt dies nicht als Ursprung des gespiegelten Layouts. Als praktische Folge lässt es sich jedoch unmittelbar erkennen.

Die Honiggoldversion verändert an diesem Konzept nichts Grundsätzliches. Ihre Besonderheit liegt darin, wie geschlossen Material, Farbe und Konstruktion zusammengeführt werden.

Gespiegeltes Zifferblatt der Lange 1 Daymatic Honeygold

Zwei offizielle Angaben zur Gehäusehöhe

Beim Durchmesser herrscht Klarheit: Das Gehäuse misst 39,5 Millimeter. Bei der Höhe widersprechen sich dagegen zwei offizielle Lange-Quellen. Die Pressemitteilung zur Vorstellung nennt 10,4 Millimeter, während die aktuelle Produktseite 10,0 Millimeter ausweist. Ohne eine technische Klarstellung der Manufaktur lässt sich dieser Unterschied nicht seriös auflösen. Fest stehen eine Wasserdichtheit bis 3 bar und ein Saphirglasboden.

Für die neue Ausführung wurden die Hörner und die Lünette laut Lange fein überarbeitet. Vor allem die schlankere Lünette lässt das vertraute Format leichter wirken. Die Daymatic wird dadurch nicht zu einer zierlichen Uhr, verliert aber etwas von der optischen Schwere, die ein geschlossenes Goldgehäuse entwickeln kann.

Das Material trägt entscheidend dazu bei. Honiggold ist eine Lange-exklusive Goldlegierung aus 18 Karat Gold. Sie besteht zu 75 Prozent aus Feingold und enthält unter anderem Kupfer und Zink. Die Manufaktur beschreibt sie als härter und kratzunempfindlicher als andere 18-karätige Goldlegierungen. Ihr Farbton liegt zwischen Rotgold und Weißgold, wobei er je nach Licht wärmer, rötlicher oder zurückhaltend strohfarben erscheinen kann.

Erstmals verwendete Lange das Material 2010 für die Jubiläumsedition „165 Years Homage to F. A. Lange“. Seither blieb es ausgewählten Modellen vorbehalten. Die Ref. 320.050 ist die erste Lange 1 Daymatic in Honiggold. Ihre Limitierung auf 250 Exemplare ist großzügiger als bei manchen früheren Honiggoldeditionen, macht sie aber weiterhin zu einer klar umrissenen Sonderausführung.

Braun ohne Behäbigkeit

Das Zifferblatt besteht aus 925er Silber und ist braun ausgeführt. Im Zusammenspiel mit dem Gehäuse entsteht keine harte Zweifarbigkeit, sondern eine eng abgestimmte Palette. Zeiger, Appliken und der Rahmen des Großdatums greifen den warmen Metallton auf. Die Datumsanzeige verwendet weiße Ziffern auf braunem Grund und fügt sich dadurch ruhiger in das Blatt ein als die häufig kontrastreicheren Datumsfenster anderer Lange-Modelle.

Der leicht vertiefte Stunden- und Minutenkreis verstärkt die räumliche Gliederung. Das ist bei einem asymmetrischen Zifferblatt wichtiger, als es zunächst klingt. Die Anzeigen liegen nicht einfach nebeneinander, sondern erhalten durch unterschiedliche Ebenen eine Hierarchie. Rechts dominiert die Zeit, links organisiert sich der Kalender, dazwischen bleibt genügend freie Fläche, damit die Komposition nicht gedrängt wirkt.

Ein taupefarbenes, handgenähtes Alligatorlederband und eine Dornschließe aus massivem Honiggold führen die Farbwelt bis zum Handgelenk weiter. Die Uhr setzt nicht auf einen einzelnen Kontrast, der Aufmerksamkeit erzwingt. Ihre Wirkung entsteht aus der Konsequenz, mit der Braun, Gold und Silber aufeinander abgestimmt sind.

Braunes Zifferblatt und Großdatum der Lange 1 Daymatic Honeygold

Das L021.1 trägt seine Automatik offen

Im Inneren arbeitet das automatische Manufakturkaliber L021.1, das bereits die 2010 vorgestellte Daymatic antrieb. Es besteht aus 426 Einzelteilen, schwingt mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde und bietet nach vollständigem Aufzug eine Gangreserve von 50 Stunden. Angezeigt werden Stunden, Minuten, kleine Sekunde, Großdatum und der retrograde Wochentag.

Seine Automatik ist nicht als möglichst unauffällige Ergänzung konstruiert. Ein großer Zentralrotor erstreckt sich über den Durchmesser des Werks. Sein Mittelteil besteht aus 21-karätigem Gold, die äußere Schwungmasse aus 950er Platin. Vier schlanke Speichen sollen den schweren Rotor bei Erschütterungen abfedern und das Werk vor übermäßiger Belastung schützen.

Unter dem Rotor setzt Lange die eigene Formensprache fort. Vier separat montierte Platinen bilden im zusammengesetzten Werk optisch die für Glashütte typische Dreiviertelplatine nach. Glashütter Bandschliff, verschraubte Goldchatons, thermisch gebläute Schrauben und der von Hand gravierte Unruhkloben gehören zum sichtbaren Repertoire. Der Saphirglasboden zeigt deshalb keine technisch abgespeckte Automatiklösung, sondern ein Werk, dessen Aufzugssystem selbst Teil der Inszenierung ist.

Das L021.1 arbeitet mit einer großen Exzenterunruh, einer im eigenen Haus gefertigten Unruhspirale und einem rückerlosen Schwingsystem. Der technische Reiz liegt weniger in spektakulären Kennzahlen als in der Verbindung aus ungewöhnlicher Anzeige, automatischem Aufzug und aufwendiger Konstruktion. Die Daymatic bleibt funktional überschaubar, aber mechanisch keineswegs schlicht.

Manufakturkaliber L021.1 der Lange 1 Daymatic Honeygold

London und der 7. Dezember

Die neue Londoner Flagship-Boutique wurde am 1. Dezember 2025 vorgestellt. Sie befindet sich in der Old Bond Street 29 und ist nach Angaben der Manufaktur deren achte Flagship-Boutique. Auf vier Ebenen verteilt Lange Verkaufsräume, Lounges, Einblicke in Werkteile und einen Uhrmacherarbeitsplatz. Der Standort knüpft zugleich an eine ältere Verbindung an, denn Ferdinand Adolph Lange präsentierte seine Uhren 1851 auf der Londoner Weltausstellung.

Sechs Tage nach der Boutiquevorstellung veröffentlichte die Manufaktur die Lange 1 Daymatic Honeygold. Der gewählte 7. Dezember besitzt für Lange eine doppelte Bedeutung. An diesem Tag legte Ferdinand Adolph Lange 1845 in Glashütte den Grundstein für die sächsische Feinuhrmacherei. Am selben Datum wagte Walter Lange 1990 den Neubeginn des Unternehmens. Die neue Daymatic wurde genau 35 Jahre später vorgestellt.

In den offiziellen Daten bleibt die Uhr klar umrissen: Referenz 320.050 und 250 Exemplare. Für den Verkauf verweist A. Lange & Söhne an die Boutiquen. Einen öffentlich bezifferten Listenpreis nennt die Manufaktur nicht. Auf der Produktseite steht lediglich „Preis auf Anfrage“. Nicht offiziell bestätigte Europreise altern schnell und würden hier mehr scheinbare Genauigkeit als tatsächliche Orientierung liefern.

Eine Daymatic, die ihre Eigenständigkeit ernst nimmt

Die Lange 1 Daymatic Honeygold muss weder eine neue Komplikation erfinden noch das Familienporträt von der Wand reißen. Lange verändert das Gewicht innerhalb eines bekannten Entwurfs. Das gespiegelte Zifferblatt war schon immer mehr als eine automatische Lange 1 mit vertauschten Möbeln; in Honiggold und Braun tritt diese Eigenständigkeit endlich so deutlich hervor, dass die Daymatic nicht länger wie die vernünftige Schwester auf dem Familienfest wirkt.

Ihre Grenzen bleiben sichtbar. Eine Wasserdichtheit von 3 bar ist in dieser Preisklasse konservativ, die Gangreserve von 50 Stunden wirkt heute solide, aber nicht außergewöhnlich, und der Preis bleibt der öffentlichen Diskussion entzogen. Dafür bietet die Ref. 320.050 eine klar definierte Kombination, die es zuvor in dieser Familie nicht gab: die automatische Lange 1 Architektur, erstmals in Honiggold, mit einem braunen Silberzifferblatt und einer nachvollziehbaren historischen Datierung.

Zur wichtigsten Lange des Jahres wird sie dadurch nicht automatisch. Wohl aber zu einer der stimmigsten Daymatic-Ausführungen, weil Material, Anzeige und Anlass denselben Ton treffen. Die klassische Lange 1 bleibt das berühmtere Gesicht. Ihre gespiegelte Schwester hat nur aufgehört, sich dafür zu entschuldigen.

A. Lange & Söhne

Daymatic Honeygold · Ref. 320.050

UVP

75.000 €

⌀ 39.5mm

Material
18 Karat Honeygold (hauseigene Goldlegierung)
Wasserdicht
30 m
Zifferblatt
Braun, matt (925er Silber)
Werk
L021.1
Gangreserve
50 Stunden
Armband
Taupefarbenes Alligatorleder mit Honeygold-Dornschließe
Höhe
10.4 mm
Limitiert · 250 Stück

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