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URWERK UR SATELLITE UR-100V
Opinions ·27. Februar 2026

URWERK UR SATELLITE UR-100V

URWERK UR SATELLITE UR-100V

9 Min. Lesezeit

Die UR-100V zeigt nicht nur die Zeit. Sie zeigt, wie weit du durchs All reist. In Kilometern. Mechanische Astronomie am Handgelenk.

Wie weit die Zeit reist

Die UR-100V zeigt eine Stunde lang brav die Zeit und bekommt anschließend kosmisches Fernweh. Einer ihrer Satelliten trägt die aktuelle Stundenzahl über eine 120-Grad-Minutenbahn. An der Minute 60 verschwindet der Zeiger unter dem Zifferblatt, taucht an anderer Stelle wieder auf und zählt bei den klassischen Ausführungen keine Minuten mehr, sondern Kilometer.

Auf der einen Seite stehen 555 Kilometer. So weit bewegt sich ein Punkt am Äquator innerhalb von 20 Minuten durch die Erdrotation. Gegenüber erscheinen 35.740 Kilometer, ungefähr jene Strecke, die die Erde in derselben Zeit auf ihrer Bahn um die Sonne zurücklegt. Die Werte sind keine persönliche Bewegungsmessung und keine Echtzeitberechnung. Sie übersetzen mittlere astronomische Größen in zwei mechanische Skalen.

Eine gewöhnliche Uhr tut so, als verstreiche Zeit an einem festgeschraubten Ort. Tatsächlich dreht sich ihr Träger mit der Erde und rast mit ihr durch das Sonnensystem, selbst wenn er gerade reglos in einer Videokonferenz sitzt. Die UR-100V verwandelt diese kosmische Binsenweisheit in eine Anzeige und gibt dem Stillstand damit ein Alibi.

URWERK UR-100V Lightspeed Ceramic

URWERK UR-100V Lightspeed Ceramic

Drei Satelliten auf Wanderschaft

Die wandernde Stundenanzeige gehört seit der Gründung von URWERK im Jahr 1997 zur Identität der Marke. Felix Baumgartner und Martin Frei präsentierten damals die UR-101 und UR-102. Ihre Stunden bewegten sich nicht mit einem zentralen Zeiger, sondern als Ziffern über einen Kreisbogen. Daraus entwickelte sich später die dreidimensionale Satellitenarchitektur, die heute sofort mit URWERK verbunden wird.

Die Idee besitzt historische Wurzeln. Als wichtige Inspiration nennt die Marke die Nachtuhren der Brüder Campani aus dem 17. Jahrhundert. Bei diesen Uhren wanderten beleuchtete Stundenziffern über eine Minutenskala, damit sich die Zeit im Dunkeln und möglichst geräuschlos ablesen ließ. URWERK übernahm nicht die Form dieser Uhren, sondern das Prinzip einer Stunde, die sich sichtbar durch den Raum bewegt.

Bei der UR-100V sitzen drei Stundensatelliten auf einem rotierenden Karussell. Gemeinsam bilden sie den Zwölfstundenzyklus ab. Der jeweils aktive Satellit führt einen pfeilförmigen Minutenzeiger über die untere Skala von 0 bis 60. Am Ende der Stunde verschwindet er, während der nächste Satellit mit der folgenden Stunde an den Anfang der Skala rückt.

Diese Anzeige verbindet eine digitale Stunde mit analog verlaufenden Minuten. Sie wirkt beim ersten Blick kompliziert, folgt aber einer einfachen Leserichtung: Stundenzahl finden, Pfeilspitze verfolgen, Minute ablesen. Mechanisch ist die Lösung erheblich aufwendiger als zwei zentrale Zeiger, weil das Werk ein komplettes Karussell und mehrere sich ausrichtende Satelliten bewegen muss.

Wenn aus Minuten Kilometer werden

Die UR-100V erweitert den Ablauf, nachdem der aktive Minutenzeiger seine eigentliche Arbeit beendet hat. Links zeigt eine Zusatzskala die Strecke, die ein Punkt am Erdäquator durch die Rotation des Planeten in 20 Minuten zurücklegt. URWERK rundet diesen Wert je nach Veröffentlichung auf 555 oder 555,5 Kilometer. Rechts erscheint die Strecke der Erde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne, ebenfalls bezogen auf 20 Minuten. Hier nennt die Manufaktur je nach Dokument 35.740 oder 35.742 Kilometer.

Die kleinen Abweichungen sind kein mechanischer Fehler, sondern unterschiedliche Rundungen derselben physikalischen Näherung. Beide Angaben setzen mittlere Geschwindigkeiten voraus. Wer sich nicht am Äquator befindet, legt durch die Erdrotation eine andere Strecke zurück, und auch die Bahngeschwindigkeit der Erde ist nicht an jedem Punkt ihrer leicht elliptischen Umlaufbahn exakt gleich.

Gerade diese Begrenzung macht die Anzeige interessanter. Die Uhr gibt nicht vor, ein wissenschaftliches Messinstrument zu sein. Sie verwandelt astronomische Größen in eine wiederkehrende Bewegung und verknüpft die persönliche Stunde mit der Bewegung des Planeten.

Astronomische Anzeigen der URWERK UR-100V

Einblicke in die Anzeigen der UR-100V. Bildquelle: URWERK

URWERK UR-100V Lightspeed Ceramic mit Planetenskala

URWERK UR-100V Lightspeed Ceramic

Lightspeed: Acht Planeten statt zweier Kilometerwerte

Mit der 2024 vorgestellten UR-100V Lightspeed veränderte URWERK das astronomische Thema. Das erste Modell besaß ein Gehäuse aus 54 Schichten schwarzem ThinPly-Carbon. Im Februar 2026 folgte die hier gezeigte Lightspeed Ceramic mit einem weißen Verbundgehäuse.

Beide Lightspeed-Ausführungen ersetzen die klassischen Skalen für Erdrotation und Erdumlaufbahn durch eine dreidimensionale Planetendarstellung. Sie zeigt, wie lange Licht von der Sonne bis zu den acht Planeten benötigt:

  • Merkur: 3,2 Minuten
  • Venus: 6 Minuten
  • Erde: 8,3 Minuten
  • Mars: 12,6 Minuten
  • Jupiter: 43,2 Minuten
  • Saturn: 79,3 Minuten
  • Uranus: 159,6 Minuten
  • Neptun: 4,1 Stunden

Diese Werte beruhen auf den mittleren Abständen der Planeten zur Sonne und sind gerundet. Sie verändern sich auf der Uhr nicht mit der tatsächlichen Position eines Planeten auf seiner Umlaufbahn. Die Lightspeed bildet deshalb kein laufendes Planetarium mit Ephemeriden ab, sondern übersetzt astronomische Referenzwerte in eine mechanische Skala.

Ein blaugrüner Indikator folgt den Planetenmarken. Sobald der aktive Stundensatellit die Minutenbahn verlässt, wird die Bewegung des Systems als Reise eines Lichtstrahls lesbar. Aus derselben Mechanik, die eben noch eine Stunde angezeigt hat, wird eine Darstellung kosmischer Entfernung.

Die Zahlen verändern den Maßstab der Uhr grundlegend. 8,3 Minuten bis zur Erde lassen sich noch intuitiv erfassen. Bei Neptun werden daraus 4,1 Stunden. Die Anzeige beschreibt damit keine Geschwindigkeit im üblichen Sinn, sondern macht sichtbar, wie viel Raum selbst Licht innerhalb unseres Sonnensystems durchqueren muss.

Weiße Keramik, die keine gewöhnliche Keramik ist

URWERK bezeichnet das Gehäuse als weiße Keramik, technisch handelt es sich jedoch um einen eigens entwickelten Verbundwerkstoff. Die Manufaktur nennt silberfarbenes Glasfasergewebe und Carbon-Einlagen als Bestandteile. In der ausführlichen Materialbeschreibung spricht sie außerdem von einer Polymermatrix mit keramischen Fasern sowie wechselnden Schichten aus Glas- und Carbonfasern.

Der Hintergrund ist die Sprödigkeit klassischer Hochleistungskeramik. Sie besitzt eine hohe Härte, kann bei heftigen Schlägen aber brechen. URWERK verspricht für den neuen Faserverbund eine deutlich höhere Stoßfestigkeit und formuliert im Überschwang sogar, das Material breche nicht. Der erste Teil beschreibt das Konstruktionsziel, der zweite gehört in die Vitrine der Marketingabteilung. Ein Material wird schließlich nicht dadurch unzerstörbar, dass unabhängige Prüfwerte höflich schweigen.

Die weiße Oberfläche ist nicht völlig homogen. Beim Bearbeiten treten die Schichten des Verbundmaterials hervor und erzeugen je nach Licht einen Wechsel zwischen matten und leicht schimmernden Bereichen. Das passt zur Idee der Lightspeed, weil das Gehäuse nicht einfach einen weißen Rahmen bildet, sondern Licht auf seiner eigenen Oberfläche streut.

Mit 43 Millimetern Breite, 51,73 Millimetern Länge und 14,55 Millimetern Höhe fällt die Lightspeed größer aus als die reguläre UR-100V. Im Inneren sitzt eine wasserdichte Titankassette. Der sand- und kugelgestrahlte Gehäuseboden besteht aus Titan Grad 5 und trägt eine schwarze DLC-Beschichtung. Die verschraubte Krone und die innere Kassette ermöglichen eine geprüfte Wasserdichtheit von 5 ATM, entsprechend 50 Metern unter Prüfbedingungen.

Zum Lieferumfang gehören zwei strukturierte Kautschukbänder in Schwarz und Weiß mit Faltschließe. Der offizielle Preis zur Vorstellung betrug 67.000 Schweizer Franken vor Steuern. URWERK bezeichnet die Uhr als limitierte Edition, nennt in den technischen Unterlagen jedoch keine konkrete Stückzahl.

Weißes Verbundgehäuse der URWERK UR-100V Lightspeed Ceramic

URWERK UR-100V Lightspeed Ceramic

Das Kaliber UR 12.02 und der Windfänger

Im Inneren arbeitet das automatische Kaliber UR 12.02. URWERK nennt dafür keine externe Werkbasis. Vaucher und andere mögliche Verwandte kursieren zwar in der Gerüchteküche, auf dem amtlichen Stammbaum stehen sie jedoch nicht. Wer sie trotzdem einträgt, betreibt Ahnenforschung mit dem Filzstift.

Das Werk besitzt 40 Lagersteine, schwingt mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und bietet über zwei Federhäuser eine Gangreserve von 48 Stunden. Drei Grundplatinen bestehen aus ARCAP, einer korrosionsbeständigen Legierung, die URWERK wegen ihrer Stabilität verwendet. Die Stundensatelliten werden aus Aluminium gefertigt und sitzen auf Genfer Kreuzen aus Berylliumbronze. Auch das zentrale Karussell besteht aus Aluminium.

Für den automatischen Aufzug verwendet URWERK einen schwarz PVD-beschichteten Aluminiumrotor und den sogenannten Windfänger. Dabei handelt es sich um einen profilierten Luftpropeller, der über ein Getriebe mit dem Aufzugssystem verbunden ist. Dreht sich der Rotor sehr schnell, erhöht der Luftwiderstand die Bremswirkung. Das System soll übermäßigen Energieeintrag begrenzen, den Aufzug kontrollieren und die Mechanik vor unnötiger Belastung schützen.

Der Windfänger ist damit keine Hemmung für die Zeitmessung, sondern ein Regulator des automatischen Aufzugs. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil seine Turbine nicht den Gang der Unruh steuert. Sie wirkt auf die Bewegung des Rotors und damit auf die Art, wie Energie in die Federhäuser gelangt.

Die sichtbaren Oberflächen sind kreisgekörnt, sandgestrahlt, kugelgestrahlt oder kreisförmig satiniert. Abgeschrägte Schraubenköpfe setzen klassische Akzente, während Super-LumiNova auf Stunden- und Minutenanzeigen die Lesbarkeit im Dunkeln sicherstellt.

Kaliber UR 12.02 und Windfänger

Kaliber UR 12.02 der URWERK UR-100V Lightspeed Ceramic

Von Ultraviolet bis Stardust

Die UR-100V existiert in mehreren Material- und Farbvarianten. Die Ultraviolet kombiniert sand- und kugelgestrahltes Titan mit violettem DLC. Die Magic T setzt auf mikrogestrahltes Titan und wird auf der aktuellen Herstellerseite unter anderem in Hunter Green gezeigt. Die Stardust überzieht ein Edelstahlgehäuse im Schneebesatz mit 400 Brillanten.

Diese regulären Ausführungen messen 41 Millimeter in der Breite, 49,7 Millimeter in der Länge und 14 Millimeter in der Höhe. Ultraviolet und Stardust werden bis 3 ATM geprüft, die Magic T bis 5 ATM. Sie behalten die beiden klassischen Anzeigen für Erdrotation und Erdumlaufbahn bei. Die Lightspeed-Modelle stehen konstruktiv und inhaltlich daneben, denn sie sind größer und ersetzen die Kilometerwerte durch die Lichtlaufzeiten zu den Planeten.

URWERK UR-100V Stardust

URWERK UR-100V Stardust

Eine Uhrzeit mit Größenwahn

Die UR-100V beantwortet die Frage nach der Uhrzeit und verliert sich unmittelbar danach im Universum. Ihre Zusatzanzeigen retten keinen Termin, ersetzen kein Datum und liefern keine astronomischen Echtzeitdaten. Sie machen eine Bewegung sichtbar, die niemand spürt, obwohl jeder ununterbrochen an ihr teilnimmt.

Bei den klassischen Varianten geschieht das über 555 Kilometer Erdrotation und 35.740 Kilometer Umlaufbahn innerhalb von 20 Minuten. Die Lightspeed Ceramic verlagert den Blick weiter nach außen und ordnet die acht Planeten nach der Zeit, die Sonnenlicht zu ihnen benötigt. Mechanisch bleiben beide Ideen an denselben Satelliten gebunden, die zuvor Stunden und Minuten angezeigt haben.

Felix Baumgartner und Martin Frei gründeten URWERK 1997, um Zeit anders darzustellen. Die UR-100V zeigt, wie ergiebig diese Idee noch immer ist. Erst sagt sie, wie spät es ist, danach weist sie dezent darauf hin, dass während des Blicks aufs Handgelenk ein ganzer Planet weitergezogen ist. Für eine mechanische Uhr ist das ein ziemlich wirksames Mittel gegen menschliche Selbstüberschätzung.

URWERK

⌀ 43mm

Material
Keramik (weiß) mit Silberglasfaser und Carbon, Rückseite Titan DLC
Werk
UR 12.02 (Automatik, Vaucher-Basis)
Gangreserve
48 Stunden
Höhe
14.55 mm
Unlimitiert

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