Frédérique Constant The Elements: Ein Vorurteil weniger, zwei Uhren zu viel
Frédérique Constant The Elements: Ein Vorurteil weniger, zwei Uhren zu viel
Ausgerechnet Frédérique Constant macht mich mit einer schwarzen Mondphase nervös. Leider gehören zur Romanze ein Tourbillon und ein ewiger Kalender. Die Schwiegeruhren kommen mit.
Über Frédérique Constant kann man sagen, was man will. Ich habe bei manchen Modellen bislang vor allem gedacht, dass ich sie vernünftig finden sollte. Klassische Gestaltung, mechanischer Anspruch, wenig Anlass zur Empörung. Nur ist „wenig Anlass zur Empörung“ ein ziemlich trauriger Grund, sich länger mit einer Uhr zu beschäftigen. Beim Durchsehen von Neuheiten bekommen solche Entwürfe von mir ein anerkennendes Nicken und ungefähr anderthalb Sekunden Bildschirmzeit.
Diesmal bleibe ich hängen. Frédérique Constant präsentiert die Elements Collection 2026 in einer Holzschatulle mit drei Uhren: einem Tourbillon mit grünem Heliotropblatt, einem ewigen Kalender in Türkis und einer schwarzen Moonphase Date. Während ich noch versuche, mir einen Überblick zu verschaffen, vergrößere ich bereits die Schwarze. Das Tourbillon darf vorerst allein weiterarbeiten.
Es ist das Onyxblatt. Dieser kleine Mond darin, die schmalen Indizes, das wenige Silber vor dem vielen Schwarz. Ich würde gern behaupten, meine Begeisterung sei das Ergebnis einer ausgewogenen Betrachtung aller drei Modelle. Tatsächlich bin ich gedanklich schon beim Einzelkauf, als ich erfahre, dass genau der nicht vorgesehen ist. Die Moonphase gibt es ausschließlich im Set. Frédérique Constant hat offenbar beschlossen, meiner neu erwachten Zuneigung gleich eine Mengenangabe beizufügen.

Classic Moonphase Date Manufacture, Referenz FC-716ONB3H6, mit schwarzem Onyxzifferblatt. Bild: Frédérique Constant.
Der Stein des Anstoßes ist schwarz
An der Moonphase gefällt mir zunächst, was alles unterblieben ist. Zwischen den langen, aufgesetzten Indizes bleibt viel freie Fläche, die polierten Zeiger bekommen ausreichend Kontrast und die Mondphase sitzt bei sechs Uhr innerhalb des Zeigerdatums. Dessen rote 31 fällt erst beim genaueren Hinsehen auf. Oben stehen Markenname und Genève, ohne dass darunter noch der gesamte Lebenslauf des Uhrwerks untergebracht werden müsste.
Die Uhr ist deshalb keineswegs leer. Mein Blick wandert von den Zeigern zum Mond und wieder zurück, statt sich durch mehrere Ebenen gestalterischer Betriebsamkeit zu arbeiten. Gerade der kleinen Mondanzeige tut das gut. Sie wirkt hier wie ein bewusst gewähltes Motiv und nicht wie eine weitere Funktion, für die irgendwo noch ein Loch ins Zifferblatt musste.
Dabei wäre es übertrieben, dem Entwurf eine unerhörte Originalität anzudichten. Das runde Gehäuse ist vertraut, die Anordnung ebenfalls. Offenbar brauchte es aber genau dieses Schwarz, damit ich mir beides noch einmal ansehe. Das Alligatorband setzt es fort und lässt dem Blatt die Aufmerksamkeit, die es verdient.
Unter den Zeigern liegt tatsächlich Onyx, kein bloß nach einem Stein benannter Farbton. Anders als die beiden anderen Modelle führt die Moonphase ihre Materialwahl auf den Bildern allerdings nicht durch auffällige Zeichnungen vor. Ich muss keine Landschaft darin erkennen und auch nicht erst die Entstehung der Erdkruste würdigen, bevor mir die Uhr gefallen darf.
Sehen möchte ich sie trotzdem unter anderem Licht: am Fenster, schräg am Arm, unter einer gewöhnlichen Lampe. Wie die Oberfläche spiegelt und wie deutlich sich die Zeiger dabei abheben, interessiert mich mehr als die nächste perfekt ausgeleuchtete Aufnahme. Noch kenne ich die Uhr nur von Bildern. Die haben allerdings bereits dafür gesorgt, dass ich nach den Gehäusemaßen suche, was erfahrungsgemäß die Phase ist, in der bloßes Interesse anfängt, Ausreden zu sammeln.
Der Mond hat übers Wochenende Dienst
Die Moonphase Date FC-716ONB3H6 misst 40 Millimeter im Durchmesser und 11,98 Millimeter in der Höhe. Das Stahlgehäuse ist damit weder besonders klein noch ausgesprochen flach. Mich schreckt das nicht ab, aber vor einer endgültigen Liebeserklärung würde ich gern wissen, wie diese Proportionen am eigenen Handgelenk wirken.
Im Inneren arbeitet das automatische Manufakturkaliber FC-716 mit 72 Stunden Gangreserve, das schwarze Alligatorband schließt mit einer Faltschließe. Die drei Tage Reserve sind gerade dann angenehm, wenn die Moonphase nicht täglich getragen wird. Voll aufgezogen am Freitagabend abgelegt, kann sie am Montagmorgen noch laufen. Der Mond kommt übers Wochenende ohne Betreuung aus.
Nach kurzen Monaten muss das Zeigerdatum dennoch korrigiert werden. Damit könnte ich gut leben, zumal ich die übersichtliche Gestaltung gerade schätze. Natürlich liegt in derselben Schatulle eine Uhr, die diese Aufgabe selbst übernimmt. Es wäre allerdings eine bemerkenswerte Eskalation, einen ewigen Kalender zu kaufen, weil man gelegentliches Nachstellen als unzumutbare Eigenleistung empfindet.
Hier dreht jemand am Interesse

Classic Tourbillon Manufacture, Referenz FC-980HE3H6, mit Heliotropzifferblatt und sichtbarem Tourbillon. Bild: Frédérique Constant.
Bevor ich die beiden anderen voreilig zu kostspieliger Begleitung erkläre, verdient das Classic Tourbillon Manufacture FC-980HE3H6 einen genaueren Blick. Das grüne Heliotropblatt bringt dunkle und rötliche Einschlüsse mit, während bei sechs Uhr der Tourbillonkäfig einmal pro Minute seine Runde vollendet. Im automatischen Kaliber FC-980-4 bestehen Hemmungsrad und Anker aus Silizium, dazu kommt ein braunes Alligatorband.
Die Kombination hat ihren Reiz. Der Stein zeigt eine unregelmäßige Zeichnung, die Mechanik bewegt sich gleichmäßig darüber hinweg. Ich kann verstehen, wenn man dafür länger auf die Uhr schaut und anschließend trotzdem nicht weiß, wie spät es ist. Bei einem Tourbillon gilt das vermutlich als bestimmungsgemäßer Gebrauch.
Mir zieht die Öffnung neben der schwarzen Moonphase allerdings zu viel Aufmerksamkeit auf sich. Mein Blick landet sofort im Käfig, obwohl das Heliotrop selbst schon genug zu entdecken bietet. Zwei interessante Dinge konkurrieren hier um denselben Moment. Wer vor allem sichtbare Mechanik möchte, bekommt genau das geboten; ich würde den Stein gern etwas länger ungestört betrachten.
Mit 38 Stunden fällt die Gangreserve zudem deutlich kürzer aus als bei der Moonphase. Beim täglichen Tragen muss das nicht stören, beim Wechsel zwischen den drei Uhren wird der Unterschied eher relevant. Ausgerechnet das Modell, dem man am ausführlichsten bei der Arbeit zusehen kann, macht früher Schluss.
Der Februar kann sich nicht verstecken

Classic Perpetual Calendar Manufacture, Referenz FC-776TU3H6. Das Zifferblatt besteht aus echtem Türkis. Bild: Frédérique Constant.
Beim Classic Perpetual Calendar Manufacture FC-776TU3H6 gerät meine einseitige Begeisterung dann doch etwas ins Wanken. Über dem echten Türkis verteilen sich Wochentag, Datum, Monat und Schaltjahresanzeige, darunter sitzt die Mondphase. Die natürliche Zeichnung des Steins läuft zwischen den ordentlich angelegten Anzeigen hindurch, ohne sich für deren Zuständigkeiten zu interessieren.
Dieser Gegensatz gefällt mir. Das Blatt wirkt lebhaft, während darunter eine Mechanik arbeitet, die selbst dem Februar seine wechselnden Ausreden abnimmt. Das automatische FC-776 berücksichtigt unterschiedliche Monatslängen und Schaltjahre, sofern es korrekt eingestellt ist und weiterläuft. Es bietet 72 Stunden Gangreserve und sitzt in einem Stahlgehäuse mit 40 Millimetern Durchmesser und 12,25 Millimetern Höhe.
Die vielen Anzeigen stören mich hier weniger als die große Öffnung beim Tourbillon. Sie verteilen sich über das Blatt, statt den Blick ständig an dieselbe Stelle zu ziehen. Außerdem steht der komplizierten Uhr die Farbe gut. Sie nimmt dem ewigen Kalender etwas von jener Bedeutungsschwere, mit der solche Modelle gelegentlich auf ihre Besitzer herabzublicken scheinen.
Innerhalb des Trios wäre das mein zweiter Favorit. Die Schwarze möchte ich wegen ihrer Ruhe näher ansehen, die Türkise wegen dieser eigentümlichen Mischung aus lebhaftem Material und pedantischer Kalenderführung. Ich wäre also durchaus bereit, über eine weitere Uhr nachzudenken. Nur ungern auf Anweisung des Warenkorbs.
Die Schwiegeruhren kommen mit

Die Elements Collection 2026 umfasst 88 nummerierte Dreiersets. Innerhalb eines Sets tragen alle drei Uhren dieselbe Editionsnummer. Bild: Frédérique Constant.
Frédérique Constant bietet die Elements Collection 2026 in 88 Boxen mit jeweils drei Uhren an. Die Zahl verweist auf das Gründungsjahr 1988.
Die gelisteten Richtpreise liegen bei 4.895 Euro für die Moonphase Date, 10.995 Euro für den ewigen Kalender und 15.995 Euro für das Tourbillon. Rechnerisch ergeben sich daraus 31.885 Euro, nicht zu verwechseln mit einem bestätigten Angebotspreis für die Box. Mein Blick bleibt ausgerechnet am günstigsten Modell hängen. Für meine Verhältnisse eine erfreulich genügsame Vorliebe, hätte Frédérique Constant ihr nicht zwei ausgesprochen kostspielige Begleiter zugeteilt. Einen regulären Einzelverkauf dieser Ausführungen sieht das Angebot nicht vor.
Als Zusammenstellung ergibt das Sinn. Die verwandten Gehäuse verbinden die Uhren, während Materialien und Komplikationen deutlich genug auseinanderliegen. Wer alle drei begehrt, bekommt mehr als dieselbe Idee in drei Farben. Ich kann mir gut vorstellen, dass gerade der Wechsel zwischen diesen unterschiedlichen Blättern einen Teil des Vergnügens ausmacht.
Meine Begeisterung hält sich trotzdem nicht an die Aufteilung der Schatulle. Beim Tourbillon interessiert mich die Mechanik, beim ewigen Kalender das Zusammenspiel von Stein und Anzeigen. Die schwarze Moonphase würde ich dagegen gern anprobieren und vermutlich länger am Arm lassen, als für die Prüfung der Bandlänge erforderlich wäre.
Aus diesem Unterschied entsteht mein Einwand gegen das Set. Ich möchte selbst entscheiden, wann aus Interesse eine Sammlung wird. Frédérique Constant überspringt diese Entwicklung und liefert den Zwischenstand gleich mit. Das ist bequem, wenn man ohnehin alle drei wollte. Wer wegen der Schwarzen gekommen ist, findet sich dagegen in einem erstaunlich umfangreichen Erstkontakt wieder.
Gerade diese Moonphase könnte Menschen erreichen, die sich bisher wenig mit der Marke beschäftigt haben. Jemanden wie mich etwa, der nun zugeben muss, dass sein routiniertes Weiterklicken vielleicht nicht immer ein Ausdruck besonders sicheren Geschmacks war. Dafür gleich drei Uhren erwerben zu sollen, erscheint mir als recht aufwendige Form der Wiedergutmachung.
Am Ende bleibt deshalb ein ziemlich gutes Zeichen für die Schwarze: Ich beschäftige mich mit ihrer Verkaufsform, weil mich die Uhr selbst nicht loslässt. Wäre sie bloß ordentlich geraten, hätte ich längst weitergescrollt.
Sollte Frédérique Constant irgendwann beschließen, sie auch einzeln anzubieten, wäre eine Nachricht willkommen. Die Schwiegeruhren habe ich inzwischen kennengelernt, würde aber trotzdem lieber erst einmal mit ihr allein ausgehen.
Weiterlesen
Buler
Die Buler Astromaster: Das Phantom aus dem SSIH-Imperium
Es war ein Dienstagnachmittag im Tchibo-Kaufhaus in Dortmund, irgendwann in den frühen 1970er Jahren.
Seiko
Wenn Sterne zu Stahl werden: Seiko Prospex Alpinist „Night Sky over the Matterhorn”
Es ist 6:47 Uhr, der Kaffee dampft noch, und auf dem Handgelenk beginnt ein Stück japanisch vermarktete Schweizer Romantik mit dem Licht zu spielen.