Die Buler Astromaster: Das Phantom aus dem SSIH-Imperium
Die Buler Astromaster: Das Phantom aus dem SSIH-Imperium
Es war ein Dienstagnachmittag im Tchibo-Kaufhaus in Dortmund, irgendwann in den frühen 1970er Jahren.
Redaktioneller Hinweis vom 21. August 2026: Nach der Veröffentlichung ließ sich der Tchibo-Vertrieb der Astromaster durch einen Radiospot (Regensburger Archiv für Werbeforschung) von 1977 belegen. Der Astromaster Watch Owner Club nennt unter Bezug auf die erhaltene Aufnahme einen Preis von 24,95 DM. Frühere Angaben zu 1973 sowie 40 oder 50 DM wurden korrigiert. Eine Beteiligung Gérald Gentas bleibt eine reizvolle Geschichte, für die weiterhin nur der gute Schnitt, aber kein Dokument spricht.
Die Royal Oak aus dem Kaffeeregal?
Die Geschichte beginnt gern an einem Dienstagnachmittag in Dortmund. Ein Angestellter betritt irgendwann in den 1970er-Jahren eine Tchibo-Filiale und entdeckt zwischen Kaffee, Küchenhelfern und wechselnden Gebrauchsartikeln eine Schweizer Armbanduhr. Ihr Name klingt nach Weltraum, ihr Gehäuse sieht nach Zukunft aus, und acht Schrauben auf der Lünette erinnern verdächtig an eine Uhr, für die Audemars Piguet mehrere Tausend Schweizer Franken verlangt.
Die Buler Astromaster soll die Royal Oak für Menschen gewesen sein, die ihren Kaffee noch selbst bezahlten.
Nur der Dienstagnachmittag bleibt unsicher. Tchibo ist inzwischen aktenfest. Im Regensburger Archiv für Werbeforschung liegt für 1977 ein tatsächlich gesendeter Spot, dessen Inhaltsangabe „Astromaster, Extraktkaffee-Gläser“ klingt, als habe jemand Raumfahrt und Frühstückstisch in denselben Einkaufswagen gelegt. Der Astromaster Watch Owner Club nennt für die Uhr 24,95 DM und bezieht sich auf den Radiospot. Frei zugänglich ist die Aufnahme nicht. Doch wenn mehrere Preise um Glaubwürdigkeit ringen, gewinnt gewöhnlich der mit einer Tonspur. Die lange kolportierten 40 oder 50 Mark dürfen deshalb zurück ins Kaffeeregal. Die Legende hat die Astromaster also nicht nur älter, sondern beinahe doppelt so teuer gemacht. Die Uhr sieht trotzdem aus, als hätte jemand die kühnste Luxusuhr der frühen 1970er-Jahre genommen, alles Teure entfernt und die Silhouette behalten.

Buler Astromaster / Foto: A Watch Affair
Acht Schrauben und eine sehr große Verwandtschaft
Auf dem schwarzen Zifferblatt steht lediglich Astromaster. Kein Buler-Schriftzug erklärt die Herkunft, keine Referenznummer schafft Ordnung. Dafür redet das Gehäuse umso lauter. Es ist achteckig, trägt acht geschlitzte Schraubenköpfe und geht fast ohne Unterbrechung in ein breites Metallband über. Die Assoziation zur Royal Oak braucht weder Lupe noch Fachwissen.
Audemars Piguet hatte die Royal Oak am 15. April 1972 auf der Basler Uhrenmesse vorgestellt. Gérald Genta entwarf sie zwei Jahre zuvor über Nacht, nachdem ihn der damalige AP-Chef Georges Golay mit einer neuartigen sportlichen Stahluhr beauftragt hatte. Die fertige Ref. 5402 verband eine achteckige Lünette, acht sichtbare Sechskantschrauben, eine große Dichtung und ein integriertes Band zu einer Konstruktion, die Stahl wie ein Edelmetall behandelte. Der Preis übernahm den Rest der Provokation. 3.300 Schweizer Franken verlangte Audemars Piguet 1972. Um 1975 waren es bereits ungefähr 3.650 bis 3.750 Franken. Audemars Piguet: Birth of an Icon
Die Astromaster spricht denselben Dialekt mit erheblich kleinerem Wortschatz. Ihre Lünette besitzt die vertraute Geometrie, ihre Schrauben sind sofort sichtbar und das Band beginnt dort, wo bei gewöhnlichen Uhren die Bandanstöße sitzen. Hinter der Ähnlichkeit verbirgt sich allerdings keine zweite Royal Oak. Die Astromaster ist einfacher gebaut, einfacher finissiert und mit einem Werk ausgestattet, das nicht einmal so tun möchte, als gehöre es zur Haute Horlogerie.
Das macht sie nicht weniger spannend. Es macht nur eine bessere Frage notwendig. Wer brachte diesen Entwurf in den Massenmarkt, und wie nah kam er der Welt von Audemars Piguet tatsächlich?

Das hohe Plexiglas und die einfache Gehäusekonstruktion verraten den industriellen Ansatz / Foto: A Watch Affair
SSIH war näher dran, als man vermuten würde
Die Spur führt zur Société Suisse pour l’Industrie Horlogère, kurz SSIH. In diesem Konzern steckten Omega, Tissot und zahlreiche weitere Unternehmen. Buler gelangte über die Economic Swiss Time Holding in den Verbund, als diese Gruppe preiswerter Uhrenmarken 1971 in SSIH integriert wurde. Die Astromaster kam damit nicht von einem kleinen Außenseiter, der vor den Toren der Schweizer Uhrenindustrie stand. Sie entstand im Umfeld eines Konzerns, der fast jedes Marktsegment bedienen wollte. Watch Wiki: Buler und Watch Wiki: SSIH
An dieser Stelle wird aus der hübschen Kopiengeschichte gewöhnlich ein Konzernkrimi. SSIH habe über Audemars Piguet die Royal Oak entwickelt und anschließend mit Buler getestet, ob sich Gentas Entwurf auch zum Kaufhauspreis verkaufen lasse. Die Vorstellung hat alles, was eine gute Uhrenlegende braucht: geheime Pläne, zwei Preisklassen und ein mächtiges Unternehmen, das auf beiden Seiten des Schaufensters verdient.
Nur gehörte Audemars Piguet nie zu SSIH.
Beide Unternehmen hatten am 5. Februar 1969 eine Vertriebsvereinbarung geschlossen. AP war damals eine kleine Manufaktur in Le Brassus und benötigte Zugang zum internationalen Händlernetz des Konzerns. Kapital und Fertigung blieben laut AP-Archiv vollständig unabhängig. SSIH verkaufte die Uhren, besaß aber weder Audemars Piguet noch dessen Werkstätten.
Die Verbindung zur Royal Oak war trotzdem erstaunlich eng. Drei SSIH-Vertriebspartner, Carlo de Marchi, Charles Bauty und Charles Dorot, forderten Georges Golay im April 1970 dazu auf, eine sportliche Stahluhr für den modernen Lebensstil zu entwickeln. Aus diesem Impuls entstand der Auftrag an Gérald Genta. SSIH brachte die Royal Oak also nicht als Konzern hervor, doch Menschen aus seinem Vertriebsnetz halfen, sie anzustoßen.
Wenige Jahre später gehörte Buler zum selben Konzern und brachte eine Uhr mit verblüffend vertrauter Formensprache auf den Markt. Das ist eine echte historische Nähe. Für einen gemeinsamen Entwurf, einen Auftrag an Buler oder eine Beteiligung Gentas gibt es trotzdem keinen Beleg. Zwischen interessanter Verbindung und geheimer Schwester liegt nur ein Satz, aber historisch eine ganze Aktenwand.

Achteckige Lünette, acht Schlitzköpfe und integriertes Band / Foto: A Watch Affair
Das Gérald-Genta-Rätsel wird kleiner
Eine direkte Verbindung zu Genta wird in Sammlerkreisen gern angedeutet, weil sie der Astromaster einen Stammbaum schenken würde. Die veröffentlichte Entstehungsgeschichte der Royal Oak nennt Entwürfe, Prototypen, Zulieferer und Auslieferungen, aber weder Buler noch eine Astromaster. Auch die publizierten Werklisten Gentas führen das Modell nicht. Kein Entwurf, kein Brief und kein Herstellerarchiv setzt Genta an diesen Tisch. Übrig bleibt eine auffällige Familienähnlichkeit, und die ist in der Uhrenbranche noch kein Vaterschaftstest.
Die Datierung erlaubt jedenfalls keine Geschichte über zwei Entwürfe, die 1972 gleichzeitig vom Himmel fielen. Die Royal Oak erschien nachweislich in diesem Jahr. Für die Astromaster ist der Tchibo-Spot von 1977 der früheste datierte Beleg. Das Baumgartner 582 kann den Produktionsbeginn nicht festnageln, denn das Uhrwerksarchiv ordnet es der Mitte der 1970er-Jahre zu, während Ranfft 1970 nennt. Außerdem datiert ein Kaliber nicht automatisch das Gehäuse, in dem es später steckt. Der Radiospot beweist daher den Vertrieb fünf Jahre nach der Royal Oak, nicht den Beginn von Entwurf oder Fertigung. Wer daraus Gleichzeitigkeit baut, montiert den Stammbaum mit der Kaffeelöffelchen-Methode. Uhrwerksarchiv: Baumgartner 582 und Ranfft: Baumgartner 582
Die belegte Chronologie stützt deshalb eine nüchternere Einordnung: Die Astromaster gehört zu jener frühen Welle von Uhren, die den neuen Look der integrierten Sportuhr rasch in günstigere Preislagen trug. Die Royal Oak hatte bewiesen, dass eine Stahluhr über Gestaltung und Verarbeitung Luxus sein konnte. Die Astromaster zeigte kurz darauf, wie schnell sich die sichtbaren Zeichen dieses Luxus vom konstruktiven Aufwand lösen ließen.
Ob man das Kopie, Interpretation oder schlicht gutes Marktgespür nennt, bleibt eine Frage der persönlichen Großzügigkeit. Eine offizielle Hommage war es nicht. Eine unabhängige Parallelschöpfung ist angesichts der Datierung ebenfalls schwer zu verteidigen. Der arme Cousin mag eine eigene Persönlichkeit besitzen, aber die Familienähnlichkeit hat er sich kaum selbst ausgesucht.
Mehr Raumanzug als Raumfahrt
Am Handgelenk funktioniert die Astromaster besser, als ihr Ruf als billige Royal Oak vermuten lässt. Rund 39 Millimeter Breite wirken durch das kantige Gehäuse und das breite Band sehr präsent. Das schwarze Zifferblatt hält dagegen Disziplin. Schmale Stabzeiger, lange Stundenmarkierungen und eine sauber gedruckte Minuterie reichen aus. Ein Datum fehlt, was der Gestaltung guttut und zugleich einen Widerspruch zu manchen im Internet kursierenden Spezifikationen beseitigt.
Die Uhr besitzt die Haltung eines Designobjekts, aber nicht dessen Materialluxus. Vergleichbare Exemplare werden mit verchromtem Messinggehäuse, Stahlboden, Plexiglas und gefaltetem Edelstahlband beschrieben. An der fotografierten Uhr haben die Jahrzehnte die Oberflächen sichtbar bearbeitet. Kanten sind weicher geworden, die Lünette trägt Spuren und das hochstehende Plexiglas fängt das Licht auf eine Weise ein, die moderne Saphirgläser längst verlernt haben. VintageTick: archivierte Buler Astromaster
Das Band setzt die Gehäuseform überzeugend fort, auch wenn es sich nicht wie ein fein aufgebautes Royal Oak Band um das Handgelenk legt. Seine gefalteten Elemente und die einfache Schließe erinnern daran, dass hier nicht Stahl in stundenlanger Handarbeit zur Kostbarkeit erklärt wurde. Die Astromaster wollte den Effekt, nicht die Rechnung.

Gefaltetes Metallband und schlichter Stahlboden / Foto: A Watch Affair
Das Baumgartner 582: der Arbeiter im Raumanzug
Unter dem futuristischen Gehäuse arbeitet ausgerechnet eines der bodenständigsten Schweizer Uhrwerke seiner Zeit. Baumgartner Frères aus Grenchen war zeitweise der weltweit größte Hersteller von Roskopf-Rohwerken. Das Unternehmen fertigte keine mechanischen Statussymbole, sondern einfache Kaliber für Menschen, die eine Uhr benötigten und dafür kein Monatsgehalt ausgeben wollten. Im Mai 1982 endete die Produktion unter dem Druck der Quarzkrise. Kultur-Historisches Museum Grenchen: Baumgartner Frères
Das Baumgartner 582 ist ein Handaufzugswerk mit Stiftankerhemmung und direkter Zentralsekunde. Es läuft mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde und besitzt eine stoßgesicherte Unruh. Bei Astromaster-Exemplaren werden häufig Ausführungen mit einem oder zwei Steinen dokumentiert, die Kaliberfamilie existierte jedoch auch in weiteren Varianten. Ohne Foto und vollständige Kennzeichnung des geöffneten Werks sollte die Steinzahl deshalb immer dem konkreten Exemplar zugeordnet werden. Bei den einfachen Versionen übernimmt der sichtbare Rubin fast auch die Öffentlichkeitsarbeit. Der Rest vertraut weitgehend auf Stahllager und eine Konstruktion, die mit möglichst wenigen Teilen auskommen soll.
Ein technisches Wunder ist das nicht. Es ist eher ein überdurchschnittlich begabter Realschüler, der keinen akademischen Titel braucht, um morgens pünktlich zu erscheinen. Das Werk lässt sich günstig fertigen, vergleichsweise einfach warten und bei sorgfältiger Regulierung erstaunlich ordentlich einstellen. Sein täglicher Handaufzug schafft jene kurze mechanische Verbindung, für die heute bei anderen Marken lange Texte über Rituale und Entschleunigung geschrieben werden.
In der Astromaster bekommt dieses Arbeiterkaliber einen Raumanzug angezogen. Außen verspricht die Uhr Zukunft, innen tickt eine der letzten großen Ideen der mechanischen Massenproduktion. Dieser Widerspruch erzählt mehr über die Schweizer Uhrenindustrie der 1970er-Jahre als jede erfundene Beteiligung Gérald Gentas.

Die Spuren der Jahrzehnte gehören bei vielen Exemplaren zum Erscheinungsbild / Foto: A Watch Affair
Sie war bei Tchibo. Nur anders als erzählt
Tchibo begann 1973 damit, Gebrauchsartikel in seinen Filialen zu verkaufen. Zuvor waren solche Produkte häufig als Zugaben zum Kaffee verteilt worden. Nachdem diese Praxis rechtlich eingeschränkt wurde, verkaufte das Unternehmen vorhandene Waren und legte damit den Grundstein für seine späteren Themenwelten. Eine preiswerte Schweizer Uhr passte nicht bloß theoretisch in dieses Umfeld. Sie wurde dort beworben. NDR: Die Geschichte von Tchibo
Unter der spröden R-Nummer 5685 bewahrt das Regensburger Archiv für Werbeforschung eine ziemlich hübsche Paarung auf: „Astromaster, Extraktkaffee-Gläser“. Gemeint ist eine Tchibo-„Reinaufnahme Funk“ von 1977, also nach der Systematik des Archivs ein tatsächlich gesendeter Radiospot. Audiodatei und Cover sind vorhanden, nur ein Manuskript fehlt. Was wie Datenbankprosa klingt, ist für diese Geschichte der entscheidende Kassenbon. Tchibo, Astromaster und 1977 stehen nun schwarz auf weiß beieinander. Regensburger Archiv für Werbeforschung
Auch der Preis hat die Jahrzehnte im Sammlergedächtnis überlebt. Der Astromaster Watch Owner Club nennt 24,95 DM und verweist dafür auf einen erhaltenen Mitschnitt. Im frei einsehbaren Archivdatensatz steht die Summe nicht, die Aufnahme selbst ist nicht öffentlich abrufbar. Unmittelbar nachprüfen lässt sich die Zahl deshalb nicht, doch sie hängt an einem Spot, dessen Existenz inzwischen unabhängig belegt ist. Die Alternativen von 40 oder 50 Mark hängen an gar nichts. Offenbar hat die Legende beim Weitererzählen gleich den Luxusaufschlag mitberechnet. Astromaster Watch Owner Club
Die Astromaster war tatsächlich die Uhr aus dem Kaffeeregal. Nur beim Jahr half die Erinnerung etwas nach. Aus 1977 wurde 1973, vermutlich weil selbst Legenden gern ein paar Plätze näher an Gérald Genta sitzen.
Vom Billigprodukt zum Sammlerstück
Heute taucht die Astromaster nur unregelmäßig auf. Einzelne Händler und private Anbieter rufen niedrige dreistellige Beträge auf, doch aus wenigen Angeboten entsteht noch kein verlässlicher Marktpreis. Ebenso wenig ist eine geringe Produktionszahl dokumentiert. Die Behauptung, die Uhr sei seltener als manche Patek Philippe, klingt am Stammtisch prächtig und hält außerhalb davon nicht lange durch.
Ihr Reiz braucht solche Vergleiche nicht. Die Astromaster besitzt keine große technische Bedeutung und hat die Form der Sportuhr nicht erfunden. Sie konserviert etwas Flüchtigeres: den Moment, in dem ein radikales Luxusdesign vom exklusiven Produkt zur allgemein verständlichen Sprache wurde.
Die Royal Oak machte Stahl kostbar. Die Astromaster machte ihren Look erschwinglich.
Am Handgelenk bleibt davon eine Uhr, die gleichzeitig vertraut und merkwürdig eigenständig wirkt. Die groben Schraubenschlitze, das tiefe Schwarz des Zifferblatts, das leichte Klappern des Bandes und die tägliche Bewegung an der Krone ergeben keine kleine Royal Oak. Sie ergeben eine große Geschichte über den Abstand zwischen Design und Wert.

Buler Astromaster am Handgelenk / Foto: A Watch Affair
Der ehrlichere Skandal
Die Buler Astromaster war weder Gentas geheimes Nebenprojekt noch ein von SSIH bestätigter Versuch, die Royal Oak zu demokratisieren. Audemars Piguet gehörte nicht zum Konzern, eine gleichzeitige Entstehung ist nicht belegt und der Tchibo-Vertrieb erfolgte nachweislich 1977. Beim Preis endet die Aktenlage einen Schritt vor dem Lautsprecher: Der frei zugängliche Archivdatensatz bestätigt den Spot, die glaubhaften 24,95 DM kommen aus dem Owner Club.
Die überprüfbare Geschichte ist weniger sensationell, aber nicht weniger gut. SSIH-Vertriebspartner halfen, den Anstoß zur Royal Oak zu geben. Kurz darauf nahm derselbe Konzern Buler in sein breites Markenportfolio auf. Einige Jahre später erschien eine günstige mechanische Uhr, die jene Gestaltung aufgriff, mit der Audemars Piguet gerade den Luxusbegriff verändert hatte. Ob der Impuls über Händler, Produktmanager, Kataloge oder schlichte Beobachtung wanderte, ist nicht überliefert.
Vielleicht passt diese Ungewissheit besser zur Astromaster als ein sauberer Stammbaum. Sie kam nicht aus den Ateliers der Haute Horlogerie, sondern aus der industriellen Tiefe der Schweizer Uhrenbranche. Ihr Gehäuse versprach eine Zukunft, die ihr Werk nicht finanzieren konnte. Ihr Design lieh sich Prestige, während ihre Mechanik stolz auf dem Boden blieb.
Das Fragezeichen ist damit nicht verschwunden, es ist nur an die richtige Stelle gerückt. Nicht mehr Tchibo steht infrage, sondern die bequeme Verwandtschaft zur Royal Oak. Die Astromaster ist tatsächlich die Uhr aus dem Kaffeeregal. Ob sie dort als bewusstes Echo, eilige Kopie oder schlicht besonders wacher Blick auf den Zeitgeschmack landete, bleibt offen. Für 24,95 DM bekam man offenbar nicht die Wahrheit über ihre Entstehung, aber eine erstaunlich gute Silhouette dazu.
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