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Piaget baut Warhols Camouflage als Intarsie aus Sodalith, Türkis und Gold. 86 Stück, 90.500 Euro, Ablesbarkeit erst auf den zweiten Blick.

Piaget Andy Warhol Camouflage Limited Edition Ref. G0A51242 #Andy Warhol #Camouflage #Intarsie #Weißgold

Auf der neuen Piaget Andy Warhol Camouflage suche ich die Uhrzeit und finde zuerst Stein. Dann Gold. Dann wieder Stein. Die Dauphine-Zeiger, zwei spitz zulaufende Zeiger aus Weißgold, liegen mitten im Camouflage-Muster. Indizes hat Piaget weggelassen. Wer wissen will, wie spät es ist, muss erst am Muster vorbei.

Das Muster besteht aus Sodalith in einem dunklen Blau mit Adern, aus Türkis in einem helleren Ton sowie aus satiniertem Gelbgold und poliertem Roségold. Siebenundzwanzig Teile. Aus der Nähe sieht man die Fugen zwischen den Steinen und den Goldstücken. Aus der Entfernung schließt sich daraus eine Camouflage-Fläche, in der man kurz ein Gesicht zu erkennen glaubt und im nächsten Moment wieder nur Farbe sieht. Andy Warhol hatte 1986 mit dieser Doppelbewegung gearbeitet: Selbstporträts, die sich hinter Tarnflecken verstecken und dadurch erst recht auffallen.

Piaget Andy Warhol Camouflage Limited Edition Ref. G0A51242 frontal vor schwarzem Hintergrund, kissenförmiges Weißgoldgehäuse mit gestuften Godrons, Zifferblatt aus Sodalith, Türkis, Gelb- und Roségold, blaues Alligatorlederband Bild: Piaget.

Stein und Gold statt Aufkleber

Piaget nimmt von Warhols Camouflage-Serie keine fertige Reproduktion und druckt sie auf ein Standardblatt. Die Manufaktur zerlegt das Motiv und baut es als Intarsie neu. Intarsie heißt: Materialien werden eingelegt, nicht aufgedruckt. Was man trägt, ist Stein und Gold in Camouflage-Form, kein Druck mit Markennamen daneben.

Das gefällt mir, weil die Kunstlizenz hier sichtbare Arbeit auslöst. Manche Lizenzen beschränken sich auf ein Logo. Hier steuert sie Farbe, Schnitt und Oberfläche mit. Ohne Warhol gäbe es dieses Muster in dieser Zerlegung kaum. Ohne Piagets Umgang mit Schmucksteinen gäbe es davon keine Uhr.

Das kissenförmige Gehäuse ist dabei kein neuer Entwurf. Es geht auf die Referenz 15102 aus den siebziger Jahren zurück, die Jean-Claude Gueit gezeichnet hat. Warhol besaß sieben Piaget-Uhren und darunter auch dieses Kissen. 2024 wurde die Partnerschaft mit der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts formalisiert. Seither wechseln vor allem die Zifferblätter: erst Clou de Paris, dann die Collage aus Onyx, Serpentin, Opal und Chrysopras, nun Camouflage. Gehäuse und Werk bleiben gleich. Neu ist, was man darauf sieht.

Bei der Collage war die Palette bunter. Bei der Camouflage genügen zwei Blautöne und zwei Goldtöne. Dafür wechseln die Oberflächen. Das Satin des Gelbgolds schluckt Licht, das polierte Roségold wirft es zurück. Deshalb liest sich das Blatt je nach Winkel anders. Sodalith trägt die dunklen, geäderten Felder, Türkis die helleren. Beide Steine sind weicher als das Saphirglas darüber und brauchen beim Einlegen Sorgfalt. Die Goldstücke dazwischen sind keine Lückenfüller. Sie halten die Camouflage-Formen auseinander und geben dem Blatt Tiefe.

Auffällig bleibt auch, was fehlt. Keine Stundenstriche, keine arabischen Ziffern, keine kleine Sekunde. Nur das Piaget-Logo und ganz unten der Hinweis Swiss Made. Alles andere hätte dem Muster Konkurrenz gemacht. Piaget nimmt dafür in Kauf, dass man die Uhrzeit erst im zweiten Blick sicher abliest. Zuerst sieht man Camouflage. Danach die Zeiger.

Als Gestalter freue ich mich über diese Entscheidung. Das Blatt darf Fläche bleiben und muss die Zeit nicht mit Markierungen stützen. Als jemand, der Uhren liest, brauche ich einen Moment länger. Beides gehört zur Uhr dazu.

Nahaufnahme des Camouflage-Zifferblatts der Piaget Andy Warhol Camouflage mit Sodalith, Türkis, satiniertem Gelbgold und poliertem Roségold sowie Dauphine-Zeigern Bild: Piaget.

Acht Millimeter gegen den Lärm

Um dieses Blatt legt Piaget 18-karätiges Weißgold mit Rhodiumüberzug, 45 mal 43 Millimeter breit und 8,08 Millimeter hoch. Rhodium macht das Weißgold hellsilbrig. Für so viel optische Unruhe auf dem Zifferblatt ist die Gehäusehöhe gering. Gestufte Godrons laufen um die Lünette. Godron ist Französisch für diese rippenartigen Stufen, die dem Kissen seine Plastizität geben. Die Krone sitzt versenkt. Das blaue Alligatorleder hält sich farblich zurück und lässt dem Blatt den Auftritt.

45 Millimeter klingen nach Sportuhr. In dieser Form wirken sie eher wie ein kleiner Rahmen für das Zifferblatt. Die flache Bauweise rettet die Proportion. Ohne sie würde das Camouflage-Blatt schnell nach schwerem Schmuck aussehen. Mit ihr bleibt spürbar, dass Piaget Ultradünnes seit Langem ernst nimmt und den Aufwand dorthin legt, wo man hinsieht.

Unter dem Blatt arbeitet das Manufakturkaliber 501P1, ein Automatikwerk von 3,63 Millimetern Höhe mit 40 Stunden Gangreserve und 28.800 Halbschwingungen pro Stunde. Es zeigt Stunden und Minuten, sonst nichts. Den Boden hat Piaget geschlossen. Darauf sitzen Warhols Signatur und die individuelle Nummer der Limitierung. Das Werk bleibt unsichtbar. Bei einer Uhr, die so viel vom Zeigen handelt, finde ich das passend: Mechanik hinten, Camouflage vorn.

Wasserdicht ist die Sache bis 30 Meter. Für Stein und Gold heißt das vor allem, dass man sie nicht sorglos unter die Dusche nehmen sollte. Eine Taucheruhr ist sie ohnehin nicht. Sie ist ein Objekt, das Zeit anzeigt, sobald man das Muster gelassen hat. Am Handgelenk stelle ich sie mir als Gesprächsstück vor: Man sieht sie und will wissen, woraus das Blatt besteht. Die Antwort ist länger als bei einem lackierten Zifferblatt und das ist Absicht.

Seitenansicht der Piaget Andy Warhol Camouflage Limited Edition in Weißgold, flaches Gehäuse mit gestuften Godrons und versenkter Krone am blauen Alligatorlederband Bild: Piaget.

Sechsundachtzig Gesichter von 1986

Limitiert ist die Camouflage auf 86 Stück. Die Zahl zitiert das Jahr der Selbstporträts von 1986. In Deutschland verlangt Piaget 90.500 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Der Preis hängt an der Intarsie und der Lizenz, nicht an zusätzlichen Komplikationen wie Chronograph oder Tourbillon. Wer mechanische Spektakel erwartet, ist hier falsch. Wer ein Zifferblatt aus Stein und Gold sucht, das Warhols Camouflage-Idee tragbar macht, ist näher dran. Die Limitierung erklärt sich also über das Motivjahr und nicht über eine künstlich knappe Technikgeschichte.

Ich mag an dieser Uhr die Reihenfolge, die sie erzwingt. Das Muster kommt zuerst. Die Zeiger danach. Viele Uhren werben mit sofortiger Ablesbarkeit und werden darüber langweilig. Hier darf die Ablesbarkeit warten. Das ist riskant und unterhaltsam zugleich.

Ob das Kunst am Handgelenk ist oder Uhrmacherei mit guter Lizenz, bleibt Geschmackssache. Für mich zählt, dass die Camouflage kein Aufkleber ist. Siebenundzwanzig Teile Stein und Gold verbergen einander und zeigen sich trotzdem.

Piaget Andy Warhol Camouflage Limited Edition schräg von vorn, kissenförmiges Weißgoldgehäuse, Camouflage-Intarsie aus Stein und Gold, blaues Alligatorlederband Bild: Piaget.

Eine Tarnung für 90.500 Euro will ohnehin gesehen werden. Die Piaget Andy Warhol Camouflage macht daraus wenigstens ein Spiel, bei dem die Zeit fairerweise erst an zweiter Stelle kommt.

Piaget

Andy Warhol Camouflage Limited Edition · Ref. G0A51242

UVP

90.500 €

⌀ 45 mm

Material
18K Weißgold rhodiniert
Wasserdicht
30 m
Zifferblatt
Sodalith/Türkis/Gold Camouflage
Werk
Kaliber 501P1, Automatik
Gangreserve
40 Stunden
Armband
Alligatorleder blau
Höhe
8.08 mm
Limitiert · 86 Stück

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