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Rolex hat erstmals feste Preise für die Revision veröffentlicht, gestaffelt nach der Länge der Referenznummer und damit nach Generation. Bei echten Vintage-Uhren ist der Aufschlag nachvollziehbar. Zwischen fünf- und sechsstelligen Referenzen kostet dasselbe Werk unterschiedlich viel.

Man lege zwei Submariner Date nebeneinander. Beide schwarz, beide 40 Millimeter, in beiden tickt das Kaliber 3135. Die eine ist eine 16610, gebaut von Ende der Achtziger bis 2010, mit Aluminiumeinlage in der Lünette. Die andere ist ihre Nachfolgerin 116610LN mit Keramiklünette, gebaut von 2010 bis 2020. Wer beide zur Revision bringt, also zur kompletten Wartung mit zerlegtem, gereinigtem und frisch geöltem Werk, zahlt nach der neuen deutschen Servicepreisliste von Rolex für die ältere 1.170 Euro. Für die jüngere sind es 740 Euro.

Ein zweiter Blick in dieselbe Liste macht es noch hübscher. Die aktuelle Cosmograph Daytona 126500LN, ein Chronograph mit Säulenradsteuerung und mehr Bauteilen als ein Dreizeigerwerk mit Datum, steht dort mit 900 Euro. Die alte Taucheruhr ist in der Werkstatt also teurer als der Chronograph, der als bekanntester Chronograph der Marke gilt.

Rolex Cosmograph Daytona 126500LN mit weißem Zifferblatt und schwarzer Cerachrom-Lünette Bild: Rolex.

Meine Lesart: Beim Sprung von fünf auf sechs Ziffern wird die Liste zum Preisschild fürs Geburtsjahr. Sie bepreist dort weniger die Arbeit am Werk als das Jahr, in dem die Uhr gebaut wurde.

Drei Generationen, gezählt in Ziffern

Rolex sortiert seine Uhren für die Revision nach der Länge der Referenznummer. Das ist die Modellnummer, die zwischen den Bandanstößen ins Gehäuse graviert ist. Sechs Ziffern gelten als modern, fünf als klassisch, vier als Vintage. Innerhalb jeder Gruppe gibt es Stufen nach Modellfamilie. Einfache Dreizeiger kosten am wenigsten, Taucher und Reiseuhren liegen in der Mitte, Chronographen und Komplikationen oben.

Diese Logik hat etwas für sich. Eine Datejust ist leichter zu warten als eine Daytona. Wer 30 Jahre alte Uhren auseinandernimmt, findet mehr Überraschungen als bei einer Uhr aus der Schachtel. Es wäre unfair, Rolex Aufwand für Uhren vorzuwerfen, die Aufwand machen.

Die Submariner-Paarung passt allerdings nicht in diese Begründung. Das Werk ist dasselbe, die Wartung am 3135 folgt denselben Handgriffen. Der Unterschied zwischen 16610 und 116610LN liegt vor allem außen: Keramik statt Aluminium in der Lünette, ein massiveres Gehäuse, eine andere Schließe. Im Werk der 116610LN schwingt außerdem die blaue Parachrom-Spirale statt der älteren Spirale der 16610. Das alles erklärt keine 430 Euro Unterschied für dieselbe Arbeit am selben Kaliber.

Rolex Submariner Date 126610LN mit schwarzem Zifferblatt und schwarzer Cerachrom-Lünette Bild: Rolex.

Bei der Datejust wiederholt sich das Muster eine Stufe tiefer. Eine 16234 aus den Neunzigern kostet als Klassiker mehr als ihre sechsstellige Nachfolgerin, obwohl auch hier ein 3135 im Gehäuse sitzt. Eine Daytona 16520 mit Werk auf Basis eines Zenith-Kalibers ist teurer als die 116520 mit hauseigenem Werk. Das ist der einzige Fall, in dem man der älteren Uhr ein anderes Innenleben zugutehalten kann. Man ahnt, dass Teile für das alte Werk knapper werden. Belegt ist es nicht, die Liste schweigt zu ihren Gründen.

Bei vier Ziffern zählt jedes Teil

Bei den vierstelligen Referenzen beginnt der Tarif bei 1.590 Euro. Darunter fällt etwa die Oyster Perpetual Date 1500, der hier schon ein ganzes Review gewidmet war. Der Leistungsumfang ist hier enger gefasst als bei den Jüngeren. Die Liste nennt für Vintage-Modelle nur die Wartung des Werks, Verschleißteile gibt es „je nach Verfügbarkeit“. Das ist ehrlich. Wer Teile für Werke aus den Sechzigern nicht garantieren kann, sollte sie auch nicht versprechen.

Rolex Oyster Perpetual Date Ref. 1500 mit schwarzem Zifferblatt und Oyster-Armband aus Stahl Bild: A Watch Affair.

Weiter oben in der Vintage-Tabelle wird es spezifisch. Rolex nennt einzelne Referenzen beim Namen und schickt sie in die Restaurierungswerkstatt nach Genf, die als einzige diese Uhren bearbeiten darf. Für 5.310 Euro landen dort unter anderem die Submariner 5508 und 6538, die GMT-Master 6542, die Explorer 6350 und frühe Cosmograph-Referenzen wie 6239 und 6263. Das sind die Uhren, die in Auktionskatalogen die vorderen Seiten belegen. Dass sie an einen Werktisch in Genf gehen und nicht an den nächstbesten, passt zu ihrem Wert.

Eine Zeile verdient einen zweiten Blick. Die Ref. 5100, eine Quarzuhr von um 1970, steht in derselben Stufe wie die Datejust 6305 aus den Fünfzigern und kostet 3.710 Euro. Wer bei Quarz an einen Batteriewechsel denkt, sollte sich vorher setzen. Fair bleibt: Das Beta-21-Werk dieser Uhr stammt aus einer kurzen Episode der frühen Quarzjahre. Teile dafür dürften kaum noch in Schubladen liegen.

Dann ist da die Gebühr fürs Nein. Wer seine Vintage-Rolex begutachten lässt und den Service danach nicht beauftragt, zahlt 270 Euro. Bei modernen und klassischen Modellen ist der Kostenvoranschlag kostenlos. Rolex behält sich außerdem vor, einen Komplettservice abzulehnen und stattdessen eine Restaurierung anzubieten, deren Preis erst in einem Kostenvoranschlag steht. Die Liste nennt die Vintage-Preise selbst „geschätzt“. Bei einer 60 Jahre alten Uhr weiß vor dem Öffnen niemand, was fehlt. Schon die Begutachtung ist Uhrmacherarbeit, die bezahlt werden will.

Was für die Liste spricht

Rolex hätte die Vierstelligen auch abweisen können. Dass ein Hersteller Uhren aus den Fünfzigern noch selbst wartet und dafür eine eigene Werkstatt in Genf betreibt, verdient Anerkennung. Die Aufschläge bei den Vierstelligen sind nachvollziehbar, wenn Teile knapp werden und vieles in Handarbeit entsteht. Die modernen Preise liegen in einem Rahmen, der für Uhren dieser Preisklasse vertretbar ist. Rolex empfiehlt eine Revision etwa alle zehn Jahre. Auf ein Jahrzehnt verteilt sind 640 Euro für eine Datejust kein Drama.

Rolex Datejust 41 mit blauem Zifferblatt und geriffelter Lünette aus Weißgold Bild: Rolex.

Gut ist auch, dass Politur jetzt ausdrücklich optional ist und extra berechnet wird. Für Sammler fünfstelliger Uhren zählt jede unpolierte Gehäusekante. Wer ablehnt, behält die Kanten und spart dabei Geld.

Neu ist außerdem, dass es eine Liste gibt. Bisher erfuhr man den Preis einer Revision bei Rolex in Deutschland erst mit dem Kostenvoranschlag. Ob die neuen Zahlen höher oder niedriger sind als die alten, lässt sich nicht seriös sagen. Eine offizielle frühere Liste gab es nicht.

Die Alternative aus dem Schwarzwald

Die naheliegende Antwort auf hohe Werkspreise wäre die freie Werkstatt. Bei Rolex ist das komplizierter. Rolex verkauft Originalersatzteile nicht an unabhängige Uhrmacher. Das Gericht der Europäischen Union hat 2017 bestätigt, dass die EU-Kommission eine Beschwerde des europäischen Verbands freier Uhrmacher gegen Schweizer Hersteller, darunter Rolex, abweisen durfte. Ein selektives Reparatursystem mit objektiven Zulassungskriterien verstößt demnach nicht gegen das Wettbewerbsrecht.

Wie unabhängige Betriebe damit umgehen, zeigt Zeitgenau in Schramberg, der Stadt, in der auch Junghans zu Hause ist. Die unabhängige Werkstatt nennt auf ihrer Website eigene Zahlen: rund 500 Rolex-Revisionen im Jahr seit 2014, Preise nach eigener Angabe typischerweise 30 bis 50 Prozent unter denen des Herstellers, 24 Monate Garantie. Originalteile direkt von Rolex bekommt der Betrieb nach eigener Darstellung nicht. Er bezieht Teile nach eigener Darstellung über Schweizer Großhändler und den Zweitmarkt, für Vintage-Kaliber auch aus alten Lagerbeständen und Spenderwerken. Für eine 16610 kann das eine vernünftige Wahl sein. Für eine 6538 mit Restaurierungsbedarf entscheidet die Frage, wessen Teile im Gehäuse stecken sollen.

Rolex Uhrmacher arbeitet an der Werkbank unter einer Lampe Bild: Rolex.

Wie schwer diese Frage wiegt, hängt vom Alter der Uhr ab. Je älter sie ist, desto teurer der Werksservice und desto verlockender die freie Werkstatt. Gleichzeitig sinkt der Wert einer Vintage-Rolex auf dem Sammlermarkt, wenn nicht originale Teile verbaut sind. Wer seine 5508 zur unabhängigen Werkstatt bringt, spart beim Service und riskiert beim Wiederverkauf. Bei echter Vintage spricht damit vieles für den Aufschlag in Genf.

Für den Aufschlag der 16610 gegenüber der 116610LN gilt das nicht. Die 3135 ist in beiden Uhren dieselbe. Gealtert ist nur die Referenznummer.

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