Eine Flagship-Boutique in der Old Bond Street zu eröffnen, ist an sich schon ein Statement. Dort eine limitierte Lange 1 Daymatic in Honeygold zu präsentieren, mit kakaobraunem Zifferblatt und streng begrenzter Stückzahl, wirkt wie eine kleine Machtdemonstration. A. Lange & Söhne feiert nicht nur eine neue Adresse in London, sondern gleich eine komplette Erzählung in Metall und Silber.
Die neue Lange 1 Daymatic Honeygold ist auf 250 Exemplare limitiert, kommt in der hauseigenen Goldlegierung Honeygold und trägt ein mattes braunes Zifferblatt aus 925er Silber. Alles an ihr wirkt sorgfältig abgestimmt: Gehäuse, Blatt, Datumsscheiben, Zeiger, Band. Dazu die Daymatic typische, spiegelverkehrte Lange-1-Architektur mit retrograder Wochentagsanzeige links und Großdatum bei etwa elf Uhr.
Das Ergebnis ist keine weitere Farbvariante, sondern eine Uhr, die wirkt, als hätte man der Lange 1 ein einziges sehr klares Motto mitgegeben: warm, deutsch, ernsthaft und trotzdem deutlich selbstbewusster, als es der erste Blick vermuten lässt.

Die Daymatic als „verkehrte“ Lange 1
Um zu verstehen, was diese Version besonders macht, lohnt ein kurzer Blick auf die Rolle der Daymatic in der Lange-1-Familie. 2010 stellte Lange die Daymatic als automatische Alternative zur klassischen, handaufgezogenen Lange 1 vor. Das markanteste Detail: Die gesamte Anzeigenarchitektur wurde gespiegelt. Zeit und kleine Sekunde wanderten auf die rechte Seite, das Großdatum nach links oben, dazu kam eine retrograde Wochentagsanzeige anstelle der Gangreserve.
Genau dieses Layout bleibt erhalten. Rechts dominiert das große Stundenzifferblatt, darunter die kleine Sekunde. Links oben sitzt das bekannte Großdatum mit farblich angepassten Scheiben, links mittig der retrograde Wochentag. Die Idee dahinter ist funktional gedacht. Die meisten Träger lesen die Zeit am Handgelenk nur teilweise sichtbar ab, weil der Manschettenrand das Zifferblatt halb verdeckt. Mit der Zeit rechts lässt sich die Uhr so ablesen, dass der wichtigste Teil offen bleibt, während der Rest elegant unter dem Hemd verschwindet.
Die Lange 1 Daymatic Honeygold ist also keine neue Komplikation, sondern eine sehr bewusst neu eingekleidete Version eines Konzepts, das seit Jahren seine eigene kleine Fanbasis hat.

39,5 Millimeter, die viel erzählen
Rein technisch bleibt das Gehäuse der Daymatic Honeygold dem bekannten Format treu. Der Durchmesser liegt bei 39,5 Millimetern, die Höhe bei 10,4 Millimetern. Wasserresistenz: 3 bar. Saphirglas vorn und hinten. Dreiteilige Konstruktion mit separat angesetzten Hörnern, polierte Lünette und Gehäuseflanken, gebürsteter Mittelteil.
Der Unterschied liegt im Material. Die Referenz 320.050 kommt in 18 Karat Honeygold, einer hauseigenen Legierung, die farblich zwischen Gelb- und Roségold liegt und härter ist als klassische 18-Karat-Goldlegierungen. A. Lange & Söhne reserviert diese Legierung seit ihrer Einführung 2010 für besonders exklusive, limitierte Modelle, von der 1815-Hommage-Reihe über Zeitwerk-Varianten bis hin zur Odysseus in Honeygold.
Damit ist die Botschaft klar: Die Daymatic Honeygold soll innerhalb der eigenen Kollektion nicht als Alltagsausführung, sondern als bewusst gesetzter Höhepunkt gelesen werden, passend zum Londoner Boutiqueauftakt und dem symbolträchtigen Launchdatum siebter Dezember.
Honeygold: Material mit eigener Agenda
Honeygold ist mehr als eine neue Goldfarbe. Es handelt sich um eine proprietäre 18-Karat-Legierung mit höherem Härtegrad und warmem, strohgoldenem Farbton. Zusammensetzung: 75 Prozent Gold, dazu eine Mischung weiterer Metalle, die Lange nicht im Detail offenlegt. Für Sammler zählen vor allem zwei Punkte.
Erstens die Optik. Honiggold wirkt je nach Licht mal eher rosé, mal etwas gelblicher, aber nie so satt und plakativ wie klassisches Gelbgold. In Kombination mit braunen Zifferblättern und Bändern entsteht ein Ton-in-Ton-Bild, das sich deutlich vom üblichen Gelbgold-Powerlook absetzt.
Zweitens die Verfügbarkeit. Die Legierung bleibt wenigen, gezielt ausgewählten Referenzen vorbehalten. Die Daymatic Honeygold ist die erste Daymatic in diesem Material und zählt mit 250 Stück zu den größeren, aber weiterhin klar limitierten Serien innerhalb der Honeygold-Familie.
Wer auf Materialnarrative achtet, sieht hier also nicht einfach Gold, sondern eine bewusst kuratierte Ressource im Lange-Kosmos.
Kakao, Silber und eine sehr disziplinierte Typografie
Das Gesicht der Uhr ist vielleicht ihr stärkstes Argument. Die Daymatic Honeygold trägt ein braunes Zifferblatt aus massivem 925er Silber, dessen Oberflächenstruktur mit satiniert mattem Grund und unterschiedlich veredelten Teilflächen arbeitet. Der rundlaufende Stundenring ist leicht vertieft und fein kreisgeschliffen, der Grundton bleibt ruhig und gleichmäßig.
Die Großdatumscheiben sind farblich auf das Zifferblatt abgestimmt, was die sonst häufig harte Trennung zwischen Fenster und Blatt deutlich mildert. Zeiger und applizierte Indizes bestehen aus Gold in derselben warmen Legierung wie das Gehäuse und verstärken die Brauntöne. Die retrograde Wochentagsanzeige links ist fein bedruckt, die Skala zieht einen visuellen Bogen, der den asynchronen Aufbau zusammenhält.
Das Ganze sitzt an einem taupefarbenen Alligatorlederband mit Honeygold-Dornschließe. Die Wirkung auf Bildern ist eindeutig: Diese Daymatic ist keine Zweifarbengeschichte, sondern eine sehr bewusst durchgezogene Braun-Gold-Welt. Wer braune Zifferblätter grundsätzlich skeptisch betrachtet, bekommt hier die konzentrierteste Form dieses Themas serviert.

Das Automatikwerk, das man nicht hinter Stahl versteckt
Im Inneren arbeitet das Manufakturkaliber L021.1, das seit der Einführung der Daymatic 2010 genau diese Rolle erfüllt: eine Lange 1 mit Automatikaufzug, aber ohne Kompromisse beim Finish. Die technischen Eckdaten:
- Automatikwerk mit zentralem Rotor
- Frequenz 3 Hertz, also 21.600 Halbschwingungen pro Stunde
- Gangreserve bis etwa fünfzig Stunden
- 426 Einzelteile
- 67 Lagersteine, davon sieben in verschraubten Goldchatons
- Durchmesser des Werks rund 31,6 Millimeter, Höhe etwa 6,1 Millimeter
Der Rotor besteht aus 21-Karat-Gold und trägt außen eine Schwungmasse aus Platin, was die Aufzugseffizienz erhöht. Finish und Architektur folgen dem bekannten Lange-Kanon: unbehandelte Platinen aus Maillechort (Neusilber-Platinen), Glashütter Streifenschliff, verschraubte Goldchatons, gebläute Schrauben, handgravierter Unruhkloben, schwarze Politur auf ausgewählten Stahlteilen.
Interessant ist die Einordnung innerhalb der eigenen Automatikwerke. Während etwa das L086.1 in der Saxonia-Familie sparsamer mit Goldchatons umgeht, legt das L021.1 sichtbar Wert darauf, optisch nicht hinter den Handaufzugskalibern zurückzubleiben. Wer durch den Saphirboden schaut, sieht keine abgespeckte Automatiklösung, sondern ein vollwertiges Lange-Statement mit Rotor.
Funktional deckt das Werk Stunden, Minuten, kleine Sekunde, Großdatum und retrograden Wochentag ab. Auf zusätzliche Komplikationen verzichtet man bewusst. Die Daymatic bleibt ein Day-Date mit starkem Fokus auf Darstellung, nicht auf möglichst dichter Funktionsliste.

London, der siebte Dezember und eine lange Erinnerung
Der Zeitpunkt der Vorstellung ist kein Zufall. Die Daymatic Honeygold begleitet die Eröffnung der neuen Flagship-Boutique in der Old Bond Street in London. Vier Etagen, Uhrmacher vor Ort, kuratierte Ausstellung von Mechanik und Geschichte, mitten in einer der traditionellsten Luxusmeilen überhaupt.
Auch das Datum trägt Gewicht. Der siebte Dezember markiert für Lange gleich zwei historische Punkte. 1845 legte Ferdinand Adolph Lange an diesem Tag den Grundstein für die Glashütter Fertigung. 1990 wurde an genau diesem Datum die Marke nach der DDR-Zeit neu gegründet. Die Daymatic Honeygold knüpft bewusst an diese Linie an und reiht sich in eine Tradition von Jubiläumsstücken ein, die dieses Datum immer wieder aufgreifen.
In Zahlen bleibt sie klar umrissen: Referenz 320.050, Limitierung 250 Stück, Boutique-Launch. Der Preis wird offiziell nur auf Anfrage kommuniziert, bewegt sich nach aktueller Berichterstattung aber im Bereich von rund 75.000 Euro.
Damit liegt die Uhr in dem Rahmen, den man für ein aufwendig finissiertes Day-Date in Edelmetall bei Lange erwarten kann, allerdings mit der zusätzlichen Ebene einer speziellen Goldlegierung und einer klaren Limitierung.
Eine sehr bewusste Frage an das eigene Sammlerprofil
Die Lange 1 Daymatic Honeygold ist kein Schnäppchen, kein Kompromissmodell und keine spontane Bauchentscheidung. Sie ist eine sorgfältig gesetzte Frage an Sammler, die sich mit Lange, mit dieser speziellen Legierung und mit der Geschichte der Lange 1 bereits intensiver beschäftigt haben.
Technisch ist alles sauber: bewährtes L021.1, klare Proportionen, klassische Wasserresistenz, solide Gangreserve. Gestalterisch liefert sie eine der schlüssigsten Interpretationen der Daymatic bisher. Warmes Braun, eigenes Gold, spiegelverkehrtes ikonisches Blatt, feine Typografie. Historisch fügt sie sich in einen Kontext, der von Glashütte über Jubiläumsreferenzen bis zur Bond Street reicht.
Wer hier zustimmt, bekommt eine Daymatic, die sehr gute Chancen hat, als eine der charakteristischsten Ausprägungen dieser Goldlinie in Erinnerung zu bleiben. Wer zögert, hat immerhin eine klare Referenz, an der sich das eigene Sammlerprofil wunderbar schärfen lässt.


