Es passiert selten, dass eine Marke wie Frédérique Constant jemanden an den eigenen Chronographen lässt. Nicht wegen Besitzansprüchen, sondern wegen Identität. Die Highlife-Kollektion ist für die Genfer so etwas wie der architektonische Stil eines Hauses: modern, sauber, keine gewagten Überhänge. Und dann steht plötzlich George Bamford vor der Tür. Nicht mit einem Blumenstrauß, sondern mit einem Werkzeugkoffer voller schwarzer Beschichtungen und einer signalfarbenen Farbpalette, die sonst nur Skateparks und Londoner Underground-Schilder tragen.

Man spürt sofort, dass diese Kooperation nicht aus Marketingdruck entstanden ist. Keine „wir müssen auch mal mit dem Coolen kollaborieren“-Vibes. Das Ding wirkt wie eine kreative Wette, die intern jemand mit einem entschlossenen Nicken durchgewinkt hat. Am Ende stand vermutlich ein Satz wie: „Okay. Machen wir. Aber bitte nicht langweilig.“ Und Bamford hat genau diesen Satz zum Konzept erklärt.

Das Ergebnis ist eine Highlife, die man ohne Vorwarnung fast nicht erkennt. Die Grundform bleibt, klar. Aber die Stimmung kippt komplett. Wo sonst helle Flächen schimmern, herrscht jetzt eine texturierte Dunkelheit. Crystal Titanium, extreme Hitze, langsames Abkühlen, ein metallischer Kristallregen, der sich zu einer Oberfläche verdichtet, als hätte ein Mineral plötzlich Uhrmacherträume gehabt. Dieses Material tritt nicht leise auf. Es hat Präsenz, Charakter, sogar eine gewisse Strenge. Paart man es mit Black DLC, entsteht eine Mischung aus technischer Raffinesse und Understatement. Kein Militärlook. Kein „Stealth Bomber“-Klischee. Sondern etwas Erwachseneres. Bamford Noir, wenn man so will.

Auf diesem Fundament ruht das Zifferblatt – und das ist die Stelle, an der Bamford seinen Stempel wirklich setzt. Der monochrome Aufbau wirkt zunächst reduziert, beinahe streng, aber dann blitzen die türkisen Akzente auf. Subdials, Chrono-Hand, Detaillinien. Nicht genug, um laut zu wirken. Genau genug, um die Uhr strukturell zu lesen. Dieses Türkis ist Bamfords Synonym für Klarheit. Es zieht Linien, lenkt den Blick und definiert den Rhythmus der Komplikationen. Die Highlife bekommt dadurch eine tiefere visuelle Atemfrequenz, fast wie die Beleuchtung in einer Szene, die sich langsam entfaltet.

Im Inneren arbeitet das FC-391 – und das ist der Punkt, an dem Frédérique Constant bewusst nicht überdreht. Keine hyperkomplexe Manufakturromantik. Stattdessen ein verlässliches, fein dekoriertes Chronographenwerk mit 60 Stunden Gangreserve, sorgfältig sichtbar durch einen leicht getönten Saphirboden. Der Rauch-Effekt im Glas fügt sich fast poetisch ins Gesamtkonzept: außen die kristalline Avantgarde, innen die ruhige Mechanik, dazwischen ein transparenter Filter, der beide Welten miteinander verbindet. Bamford bringt die Energie. Frédérique Constant sorgt dafür, dass sie nicht überschlägt.

Drei Bänder ergänzen das Setup. Und ja, viele Marken werfen gern ein Zweitband dazu, das selten jemand nutzt. Hier ist das anders. Schwarz für die Selbstverständlichkeit, Türkis für den Mut, Nubuk für die Zwischentöne. Diese Bänder zeigen, dass man die Uhr nicht als fixes Statement verstehen muss. Sie kann laut sein, kann leise sein, kann elegant wirken oder sportlich. Der Charakter bleibt, aber die Wirkung variiert. Es ist selten, dass eine Uhr mit so klarer Formensprache gleichzeitig so wandelbar bleibt.

Jetzt zur obligatorischen Transparenz: Ich habe die Uhr leider noch nicht am Handgelenk gehabt. Aus Gründen, die vermutlich irgendwo zwischen Logistik, Nachfrage und einem leicht verspäteten „Wir kommen auf Sie zurück“ liegen. Gruß geht raus an Frédérique Constant. Aber anhand der Proportionen, Materialien und Bilder erkennt man schnell, wie sie sich tragen dürfte. 41 Millimeter, durch Titan körperloser, als man denkt. DLC, das die Uhr optisch verkleinert. Und eine Gehäuseform, die kaum mit optischen Tricks arbeitet. Diese Uhr wird real vermutlich weniger „Special Edition“ schreien und mehr jene subtile Präsenz entwickeln, die man erst nach Minuten wirklich begreift. Die Art von Präsenz, die hochwertige, dunkel akzentuierte Uhren oft haben: Sie spricht nicht zuerst, aber wenn sie spricht, dann klar.

Was mich an dieser Edition beeindruckt, ist nicht nur das Ergebnis, sondern der Mut dahinter. Frédérique Constant könnte bequem in der Comfort Zone bleiben. Man verkauft solide, man hat eine treue Kundschaft, man ist preislich attraktiv. Aber diese Bamford-Kollaboration zeigt etwas anderes. Da ist Bewegung drin. Experimentierlust. Eine Bereitschaft zur Reibung. Und Reibung ist oft der Ursprung relevanter Dinge. Bamfords Rolle ist klar: Er bringt nicht Chaos, sondern Richtung. Er bricht nicht die Identität, sondern schärft ihre Kanten. Er verwandelt keine Marke in eine andere. Er holt nur das aus ihr heraus, was vielleicht schon im Hintergrund gewartet hat. Diese Edition macht sichtbar, dass die Highlife weit mehr kann, als bisher von ihr gefordert wurde. Und genau das macht die Uhr so interessant. Sie wirkt wie ein neues Kapitel, nicht wie ein Sonderabsatz. Sie ist mutig, aber nicht marktschreierisch. Sie ist eigenständig, aber nicht fremd. Eine Highlife, die ihre Ursprünge respektiert und trotzdem eine neue Sprache spricht. Die seltene Mischung aus Kompetenz, Designbindung und einem ästhetischen Risiko, das sich auszahlt. Am Ende steht man vor dieser Uhr und denkt: Das ist nicht einfach „Frédérique Constant meets Bamford“. Das ist eine gemeinsame Handschrift, die man beiden zutraut, aber keiner allein. Eine Uhr, die man einem Sammler empfehlen kann, der etwas Besonderes sucht, ohne in die Exzesse mancher Boutique-Collabs abzurutschen. Eine Uhr, die auch in fünf Jahren noch gut aussehen wird, weil ihr Mut nicht modisch ist, sondern strukturell.

Oder in kurz: eine Highlife, die nicht das Licht sucht, sondern selbst eins ist – nur eben in einer dunkleren Frequenz.

Spezifikationen

  • Marke: Frédérique Constant (Genf, Schweiz)
    Modell / Referenz: Highlife Chronograph Automatic Bamford Special · FC-391BBL4NH1C
    Limitierung: 100 Stück weltweit
  • Gehäuse: 41 mm Ø · Titan mit kristalliner Struktur · Black-DLC-Beschichtung · offener Boden mit getöntem Saphirglas · 10 ATM / 100 m wasserdicht
    Höhe: ca. 14 mm (Hersteller gibt keine exakte Höhe an, Highlife-Chrono typische Dimension)
    Lünette: integriertes Highlife-Gehäusedesign, kein separates Lünettenelement
    Glas: Saphirglas, flach, beidseitig entspiegelt
  • Zifferblatt: Schwarz · dreiregistrige Chronographen-Layout · Bamford-Turquoise-Akzente (Totalisatoren, Chrono-Sekunde, Markierungen) · erhöhte Ablesbarkeit · applizierte Indizes mit Leuchtmasse
    Zeiger: Stabzeiger mit Leuchtmasse · zentrale Chrono-Sekunde in Bamford-Türkis
  • Werk: FC-391 Automatik · Basis LJPL110 · 60 Stunden Gangreserve · 28.800 A/h · Genfer Streifen · Sichtboden (smoked)
    Funktionen: Stunden · Minuten · kleine Sekunde · Chronograph · Datum
  • Krone / Drücker: Schwarze DLC-Krone · zwei klassische Chrono-Drücker · nicht verschraubt
  • Armbänder:
    – schwarzes Kautschukband (Highlife integriert)
    – türkises Kautschukband
    – schwarzes Nubuklederband
    Highlife-Schnellwechselsystem · integrierter Bandanstoß
  • Preis: € 4.495 (Stand 2025)
EINORDNUNG