Farben für Fortgeschrittene: Die Mido Ocean Star Decompression Timer 1961
Farben für Fortgeschrittene: Die Mido Ocean Star Decompression Timer 1961
Sie sieht aus, als hätte man eine Dekompressionstabelle in einen Farbtopf getaucht.
Sicherheit in Farbe
Wer behauptet, Sicherheit müsse grau aussehen, hat dieses Zifferblatt noch nicht gesehen. Gelb, Grün, Rosa und Blau ziehen konzentrische Kreise um die Mitte der Mido Ocean Star Decompression Timer 1961, als hätte eine maritime Warnweste kurz von italienischem Möbeldesign geträumt. Der erste Blick sieht Farbe, der zweite eine Tabelle: Jeder Ring steht für einen Tiefenbereich, jede Zahl für eine Dekompressionszeit.
Die Gestaltung stammt aus einer Epoche, in der Taucher ihre Aufstiege noch ohne elektronischen Rechner am Handgelenk planen mussten. Gelöster Stickstoff konnte bei einem zu schnellen Druckabfall Blasen im Körper bilden und eine Dekompressionskrankheit verursachen. Die farbige Tabelle half dabei, abhängig von Tiefe und Tauchdauer den nötigen Stopp beim Aufstieg abzulesen. Sie war kein Computer und hat weder Tiefe noch Zeit selbstständig gemessen. Sie verwandelte eine statische Tabelle jedoch in etwas, das sich unmittelbar am Handgelenk lesen ließ.
Die moderne Mido von 2020 überträgt diese Idee in ein Gehäuse mit Saphirglas, verschraubter Krone, 200 Metern Wasserdichtigkeit und einem Automatikwerk mit 80 Stunden Gangreserve. Sie ist damit weder eine unveränderte Neuauflage noch bloß ein buntes Retroprodukt. Sie zeigt, wie eine historische Funktion zu einer Gestaltung werden kann, die sechs Jahrzehnte später noch immer verständlich wirkt.

Mido Ocean Star Decompression Timer 1961, Ref. M026.807.11.051.00 aus dem Jahr 2020 / Foto: A Watch Affair
Als Tauchen noch Tabellenarbeit war
Mido entwickelte die historische Ocean Star Decompression Timer bereits gegen Ende der 1950er-Jahre und brachte sie 1961 offiziell auf den Markt. Das Gerätetauchen hatte sich dank der von Jacques-Yves Cousteau und Émile Gagnan entwickelten Aqua-Lung weit über militärische und wissenschaftliche Kreise hinaus verbreitet. Mit der neuen Freiheit unter Wasser wuchs allerdings auch die Verantwortung, Tiefe, Tauchzeit und Aufstieg sorgfältig zu planen.
Die Mido Ref. 5907 brachte einen Teil dieser Planung direkt auf das Zifferblatt. Sammler kennen sie heute als Rainbow Diver, Ocean Star Skin Diver oder Powerwind 1000. Der letzte Name verwies auf ihre für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Druckfestigkeit von 1.000 Fuß, also rund 300 Metern. Mido erreichte sie mit einem Monocoque-Gehäuse, das ohne abnehmbaren Boden auskam und damit eine klassische Eintrittsstelle für Wasser beseitigte.
Die Uhr bekam nur einen kurzen Auftritt. Mido bestätigt die Premiere von 1961, Fach- und Sammlerquellen lassen den Vorhang meist um 1965 fallen. Ein öffentliches Produktionsregister, das dieses Enddatum in eine Taucherglocke meißelt, gibt es allerdings nicht. 1965 bleibt deshalb die beste Annäherung und kein Naturgesetz. In den wenigen Jahren entstanden verschiedene Zifferblattversionen mit schwarzem oder hellem Grund, Datumsfenster oder geschlossenem Zifferblatt sowie Skalen in Metern oder Fuß. Wer zwei erhaltene Ref. 5907 nebeneinanderlegt, sieht daher eher Geschwister als Zwillinge.
Ihre Seltenheit erklärt einen Teil der heutigen Begehrlichkeit, der größere Anteil gehört aber dem Entwurf. Die Dekompressionstabelle ist technisch, farbig und unverwechselbar. Sie macht die Uhr bereits aus einiger Entfernung identifizierbar, ohne dass dafür ein großes Logo nötig wäre.

Historische Mido Ocean Star Powerwind 1000 Ref. 5907 / Bild: Loupe This
Wie man die farbigen Kreise liest
Die vier Ringe sind keine frei erfundene Regenbogengrafik. Bei zwölf Uhr stehen die Tiefen in Metern und Fuß. Gelb gilt für 25 bis 29 Meter, Grün für 30 bis 34 Meter, Rosa für 35 bis 39 Meter und Blau für 40 bis 44 Meter. Wer beispielsweise eine maximale Tiefe von 27 Metern erreicht, liest den gelben Ring.
Auf jedem Ring beginnt die Skala an einer anderen Stelle mit einer Null. Diese Position markiert die maximale Tauchdauer, bei der nach der historischen Tabelle noch kein Dekompressionsstopp erforderlich ist. Auf dem gelben Ring liegt die Null ungefähr bei Minute 34. Bleibt der Taucher länger auf dieser Tiefe, folgen auf dem Ring die erforderlichen Stopzeiten. Der Stopp wird laut Mido in sechs Metern Tiefe durchgeführt. Die rückwärts laufende Teilung der Lünette kann anschließend zum Herunterzählen dieser Zeit verwendet werden.
Das System ist elegant, verlangt aber Wissen. Die Uhr besitzt keinen Tiefenmesser, registriert keine Tauchprofile und berücksichtigt weder Wiederholungstauchgänge noch Gasgemische oder individuelle körperliche Faktoren. Mido bezeichnet die Skala in der Bedienungsanleitung ausdrücklich als unverbindlich. Heute ist sie sichtbare Technikgeschichte und allenfalls eine zusätzliche Orientierung. Wer ihr allein den Aufstieg anvertraut, verwechselt ein großartiges Zifferblatt mit einer Lebensversicherung. Moderne Tauchregeln und Instrumente ersetzt sie nicht. Mido: Bedienungsanleitung der Dekompressionsskala
Dieser Sicherheitshinweis schmälert die historische Leistung nicht. Im Gegenteil: Er macht verständlich, wie groß der Schritt vom gedruckten Tabellenwerk zum heutigen Tauchcomputer war. Die Ref. 5907 automatisierte keine Berechnung. Sie brachte relevante Informationen dorthin, wo sie gebraucht wurden, und löste das Problem mit erstaunlich wenig Platz.

Die Dekompressionstabelle der 2020er Edition / Foto: A Watch Affair
Eine Hommage mit modernen Proportionen
Die 2020 vorgestellte Ocean Star Decompression Timer 1961 mit schwarzem Zifferblatt und schwarzer Aluminiumlünette trägt die Referenz M026.807.11.051.00. Die ähnliche Referenz M026.807.11.031.00 gehört dagegen zur hellen, türkis akzentuierten Edition von 2021.
Das polierte Edelstahlgehäuse misst 40,5 Millimeter im Durchmesser und rund 13,4 Millimeter in der Höhe. Der Abstand von Horn zu Horn liegt je nach Messmethode bei ungefähr 47 Millimetern. Damit bleibt die Uhr kompakter, als ihr aufwendig bedrucktes Zifferblatt vermuten lässt. Die kurzen Anstöße und das stark gewölbte Glas nehmen der Höhe optisch etwas von ihrer Masse.
Historisch exakt ist das Gehäuse nicht. Die alte Ref. 5907 maß ungefähr 38 Millimeter und besaß eine Monocoque-Konstruktion. Die Neuauflage verwendet dagegen ein mehrteiliges Gehäuse mit verschraubtem Boden, auf dem ein Seestern als Symbol der Ocean-Star-Familie sitzt. Midos Produktunterlagen bestätigen Krone und Boden als verschraubt, nennen die gesamte Konstruktion aber nicht zweiteilig. Ein verschraubter Boden macht aus einer hübschen Vermutung noch keine offizielle Gehäusearchitektur. Verändert hat sich außerdem die Wasserdichtigkeit. Das Original wurde für 300 Meter beworben, die moderne Uhr ist bis 200 Meter ausgelegt. Dafür lässt sie sich im Service konventioneller öffnen.
Das ist kein Rückschritt, sondern eine andere Abwägung. Zweihundert Meter reichen für eine ernst zu nehmende moderne Taucheruhr, sofern Dichtungen und Krone in einwandfreiem Zustand sind. Die historische Monocoque-Konstruktion bleibt technisch faszinierender, doch für eine alltagstaugliche Hommage ist der verschraubte Boden die pragmatischere Lösung.

Verschraubte Krone mit historischem Mido-Schriftzug / Foto: A Watch Affair
Aluminium statt Keramik
Die einseitig drehbare Lünette trägt einen schwarzen Aluminiumeinsatz mit rückwärts laufender Minutenteilung. Moderne Keramik wäre härter und weniger anfällig für Kratzer, würde aber auch einen Teil der historischen Wirkung verändern. Aluminium reflektiert weicher, altert sichtbarer und passt zur polierten Oberfläche des Gehäuses.
Bei zwölf Uhr sitzt eine Leuchtperle, an der sich die Nullposition unter schlechten Lichtverhältnissen erkennen lässt. Die Rastung erfüllt ihren Zweck, ohne das satte mechanische Gefühl erheblich teurerer Taucheruhren zu erreichen. Entscheidend ist hier weniger akustische Perfektion als die sichere Drehrichtung. Wird die Lünette versehentlich verstellt, kann sich die angezeigte Restzeit nur verkürzen und nicht verlängern.
Die polierten Flächen sammeln Gebrauchsspuren schneller als ein vollständig gebürstetes Werkzeuggehäuse. Das passt nicht zu jedem Verständnis einer Taucheruhr. Mido wollte allerdings keine kompromisslos militärische Ausrüstung bauen, sondern den Glanz der frühen Sechzigerjahre bewahren. Die Uhr darf deshalb gleichzeitig Werkzeug und Schmuckstück sein.

Schwarze Aluminiumlünette mit Leuchtpunkt bei zwölf Uhr / Foto: A Watch Affair
Viel Information, erstaunlich wenig Unruhe
Auf dem Zifferblatt konkurrieren vier Farbringe, applizierte Indizes, eine Minuterie, Tiefenangaben und ein Datum miteinander. Trotzdem zerfällt die Gestaltung nicht. Die kräftigen Farben bleiben im Inneren gebündelt, während die äußeren Stundenmarkierungen und die breiten Zeiger eine klare Ebene für die normale Zeitanzeige bilden.
Die flachen, diamantgeschliffenen Stunden- und Minutenzeiger tragen Super-LumiNova. Auch die Stundenmarkierungen und die Leuchtperle der Lünette sind bei Dunkelheit sichtbar. Die Leuchtkraft genügt für Orientierung und Uhrzeit, macht aus der Mido aber keine nächtliche Flutlichtanlage. Die historische Grafik bleibt der Hauptdarsteller.
Das Datum bei drei Uhr unterbricht einen Teil des blauen Rings. Bei der schwarzen Edition von 2020 verwendet Mido bereits eine farblich angepasste schwarze Scheibe, weshalb sich das Fenster zurücknimmt. Die PVD-Edition von 2024 hat diese Lösung nicht erfunden. Sie zog lediglich auch dem Gehäuse den schwarzen Anzug an.
Über dem Zifferblatt sitzt ein stark gewölbtes Saphirglas im Glassbox-Stil. Es erinnert an historisches Plexiglas, ist aber erheblich kratzfester. Die Wölbung erzeugt an den Rändern Verzerrungen und Reflexionen, die zur Ästhetik gehören, beim Fotografieren jedoch Geduld verlangen. Eine Entspiegelung führen weder Midos offizielle Produktvorstellung noch das technische Datenblatt auf. Damit bleibt sie draußen. Alles andere wäre Wunschpolitur. (Mido: Edition von 2020, Mido: technische Produktspezifikationen)
Drei Bänder, zwei davon wasserscheu
Mido lieferte die 2020er Limited Edition in einer besonderen Box mit drei schnell wechselbaren Bändern aus: einem polierten Milanese-Stahlband, einem mattschwarzen Band aus Kalbsleder und einem weiteren schwarzen Lederband mit synthetischer Beschichtung und farbigen Nähten. Das ist großzügig, nimmt den Beruf der Uhr aber nur bedingt ernst. Von diesem Trio begleitet vernünftigerweise allein das Stahlgeflecht die Taucherin ins Wasser. Die beiden Lederbänder warten besser an Land und sehen dabei immerhin ausgezeichnet aus.
Das Milanese-Band führt die polierte Oberfläche des Gehäuses fort und verteilt das offizielle Gesamtgewicht von 145 Gramm angenehm um das Handgelenk. Seine verschiebbare Schließe erlaubt eine feinere Anpassung als viele klassische Gliederbänder, während die Lederoptionen den Charakter stärker in Richtung Vintage und Alltag verschieben.
Mit 21 Millimetern fällt der Bandanstoß aus dem verbreiteten Raster von 20 oder 22 Millimetern. Ersatzbänder existieren, die Auswahl ist jedoch kleiner. Weil Mido bereits drei passende Varianten beilegt und Schnellwechselstege verwendet, bleibt die ungewöhnliche Breite eher eine kleine Eigenheit als ein ernstes Hindernis.

Poliertes Milanese-Band mit verschiebbarer Schließe / Foto: A Watch Affair
Achtzig Stunden ohne Legendenbildung
Im Inneren arbeitet das Mido Kaliber 80 auf Basis des ETA C07.621. Es läuft mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde, besitzt 25 Lagersteine und bietet bis zu 80 Stunden Gangreserve. Wird die Uhr am Freitagabend abgelegt, sollte sie am Montagmorgen noch laufen. Dieser praktische Vorteil ist im Alltag greifbarer als manche dekorative Veredelung, die durch den geschlossenen Boden ohnehin nicht sichtbar wäre.
Die längere Gangreserve entsteht unter anderem durch die gegenüber klassischen ETA-Werken reduzierte Frequenz und eine auf Effizienz ausgelegte Konstruktion. Der Sekundenzeiger bewegt sich dadurch mit sechs statt acht Schritten pro Sekunde. Im direkten Vergleich wirkt sein Lauf etwas weniger fein, dafür gewinnt die Uhr deutlich an Ausdauer.
Das Kaliber 80 ist kein Manufakturwerk im romantischen Sinn, sondern ein industriell gefertigtes Schweizer Automatikwerk aus dem Swatch-Group-Umfeld. Gerade darin liegt seine Stärke. Es bietet eine bekannte Architektur, lange Gangreserve und eine grundsätzlich servicefähige Basis, ohne den Preis der Uhr in eine andere Klasse zu treiben.

Verschraubter Boden mit Seestern und Limitierungsnummer / Foto: A Watch Affair
Am Handgelenk zwischen Instrument und Grafik
Die Bauhöhe von 13,4 Millimetern ist spürbar, wird aber zum Teil vom gewölbten Glas verursacht. Unter sehr engen Manschetten bleibt die Uhr hängen, am freien Handgelenk wirkt sie ausgewogen. Das Gehäuse besitzt genug Fläche, damit die Dekompressionstabelle nicht zusammengedrängt erscheint, ohne in die Dimensionen vieler moderner Taucheruhren vorzustoßen.
Ihre eigentliche Stärke ist nicht Unsichtbarkeit. Die Mido zieht Blicke an, weil das Zifferblatt Fragen stellt. Wer die Farbringe für bloße Dekoration hält, bekommt eine kleine Geschichte über Stickstoff, Aufstiegsgeschwindigkeit und Informationsdesign. Damit ist sie ein Gesprächsstarter, der mehr anzubieten hat als eine ungewöhnliche Lackfarbe.
Als reine Werkzeuguhr bleibt sie kompromissbehaftet. Die polierten Flächen sind empfindlicher, die historische Tabelle ersetzt keinen Tauchcomputer und die Leuchtmasse erreicht nicht das Niveau spezialisierter Nachtinstrumente. Als tragbare Auseinandersetzung mit der Geschichte des Tauchens funktioniert sie umso besser.

Die 40,5 Millimeter große Mido am Handgelenk / Foto: A Watch Affair
Alternativen mit anderer Haltung
Die Mido lässt sich nur bedingt über technische Daten vergleichen, weil ihr wichtigstes Merkmal auf dem Zifferblatt liegt. Einige Alternativen zeigen dennoch, welche Entscheidungen in dieser Preisklasse möglich sind.
Die Yema Superman 500 stellt das Werkzeug stärker in den Vordergrund. Ihre charakteristische Lünettenarretierung und die höhere Wasserdichtigkeit richten sich an Käufer, die französische Taucheruhrenhistorie und technische Eigenheiten suchen. Gegenüber der Mido wirkt sie sachlicher und weniger grafisch.
Die Doxa SUB 200 setzt ebenfalls auf Farbe, allerdings nicht als Tabelle. Orange, Türkis oder Gelb verändern dort vor allem die Stimmung des Zifferblatts. Die Doxa besitzt eine ebenso erkennbare historische Silhouette, erzählt die Information aber über Gehäuseform und Farbfläche statt über eine ablesbare Dekompressionslogik.
Die Certina DS PH200M verbindet Powermatic-80-Technik mit einem zurückhaltenderen historischen Entwurf. Sie ist die vernünftigere Wahl für Menschen, denen die Mido im Büro zu laut erscheint, besitzt aber nicht deren eigenständige Informationsgrafik.
Die Baltic Aquascaphe Classic ist mit 39 Millimetern etwas kleiner, verwendet das Miyota 9039 und erreicht 200 Meter Wasserdichtigkeit. Baltic nennt aktuell einen Einstiegspreis ab etwa 600 Euro. Sie bietet damit eine schlichte, deutlich günstigere Alternative mit französischem Retrocharakter. Baltic: Aquascaphe Classic
Die Oris Divers Sixty-Five bewegt sich preislich höher und legt mehr Gewicht auf Gehäusefinish, Markenpositionierung und die elegante Seite des Vintage-Themas. Sie ist weniger Werkzeug als entspannte Sportuhr. Die Mido bleibt gegenüber allen genannten Modellen die visuell erklärungsbedürftigste und gerade deshalb die unverwechselbarste.
Eine Idee, mehrere Fortsetzungen
Die schwarze Ref. M026.807.11.051.00 von 2020 war auf 1.961 Exemplare limitiert und laut Mido innerhalb weniger Wochen ausverkauft. 2021 folgte die ebenfalls auf 1.961 Stück begrenzte Ref. M026.807.11.031.00 mit hellem Zifferblatt und türkiser Lünette.
Im Jahr 2023 erweiterte Mido das Konzept zur Decompression Worldtimer. Zwei nicht nummerierte Special Editions kombinierten die historische Tabelle mit GMT-Zeiger und Städtering. Die zusätzliche Funktion macht das Zifferblatt dichter, führt die Idee aber konsequent vom Tiefenmesserzeitalter in die Welt moderner Reisender.
2024 erschien die Ref. M026.807.33.051.00 mit schwarz PVD-beschichtetem Gehäuse und entsprechendem Milanese-Band. Sie ist erneut auf 1.961 Exemplare limitiert. Ganz schwarz ist sie nur aus der Perspektive von Gehäuse und Band, denn die farbigen Kreise bleiben erhalten. Das ist wichtig, weil ohne sie aus der Decompression Timer lediglich eine weitere schwarze Taucheruhr würde.
Der Sekundärmarkt liefert keinen Grund, der Uhr eine sichere Wertentwicklung anzudichten. Angebotspreise für vollständige 2020er Sets schwanken mit Zustand, Limitierungsnummer und Verkaufsplattform, und ein Wunschpreis im Schaufenster ist noch lange kein Handschlag an der Kasse. Belegt ist, dass die erste Edition schnell ausverkauft war und weiterhin regelmäßig angeboten wird. Wer sie kauft, sollte vier Farbringe erwerben und keine Renditekurve.

Mido Ocean Star Decompression Timer 1961 / Foto: A Watch Affair
Vier Farbringe gegen die Retrobeliebigkeit
Die Mido Ocean Star Decompression Timer 1961 trägt ihr altes Zifferblatt nicht wie ein geliehenes Faschingskostüm. Ihre Wirkung entsteht aus der Spannung zwischen historischer Funktion und heutiger Realität. 1961 war die Dekompressionstabelle ein ernst gemeintes Hilfsmittel, heute ist sie vor allem Gestaltung. Weil ihre Farben einer technischen Logik folgen, bleibt sie mehr als Retrodekor mit Tauchschein.
Die Uhr verlangt einige Zugeständnisse. Ihre polierten Flächen sammeln Spuren, das Saphirglas reflektiert, die Höhe ist unter engen Manschetten bemerkbar und 21 Millimeter breite Ersatzbänder stehen nicht an jeder Ecke bereit. Dafür bietet sie ein starkes Gehäuse, ein ausdauerndes Werk, drei serienmäßig passende Bänder und ein Zifferblatt, das sich nicht mit einer anderen Taucheruhr verwechseln lässt.
Ihr größter Reiz liegt in einer selten gewordenen Verbindung. Die Farben sind laut, aber nicht beliebig. Die Tabelle ist historisch, aber nicht erfunden. Die moderne Technik verbessert die Alltagstauglichkeit, ohne das ursprüngliche Thema zu übermalen. Mido hat aus einer Sicherheitsgrafik kein dekoratives Muster gemacht, sondern ihre Logik sichtbar gelassen.
Retro funktioniert nicht automatisch, nur weil eine Marketingabteilung beige Leuchtmasse bestellt. Gute Gebrauchsgrafik altert hingegen erstaunlich langsam. Diese Mido kann jede ihrer Farben erklären und braucht deshalb kein erfundenes Schiffswrack, keinen Markenbotschafter im Neoprenanzug und keine künstliche Patina. Vier Farbringe reichen.
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