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Die schwarze Seele am Handgelenk: Orfina Porsche Design Ref. 7176 S
Affairs ·28. November 2025

Die schwarze Seele am Handgelenk: Orfina Porsche Design Ref. 7176 S

Die schwarze Seele am Handgelenk: Orfina Porsche Design Ref. 7176 S

13 Min. Lesezeit

Schwarz ist an dieser Uhr keine Farbe, sondern eine Betriebsanweisung. Nichts soll blenden, nichts vom Ablesen ablenken, nichts nach Schmuck aussehen: die Orfina Porsche Design Ref. 7176 S

Schwarz war nur der Anfang

Schwarz ist an dieser Uhr keine Farbe, sondern eine Betriebsanweisung. Nichts soll blenden, nichts vom Ablesen ablenken, nichts nach Schmuck aussehen. Die Orfina Porsche Design Ref. 7176 S trägt Gehäuse, Zifferblatt und Band in dunkler Uniform, während weiße Zeiger und Skalen ihre Informationen mit der Nüchternheit eines Cockpitinstruments ausgeben. Nur der zentrale Chronographenzeiger erlaubt sich ein kräftiges Rot. Er sieht nicht nach Dekoration aus, sondern nach dem Bereich auf einem Drehzahlmesser, den man besser im Auge behält.

Die Uhr wird gern direkt ins Jahr 1972 gestellt, weil dort die Geschichte des Porsche Design Chronograph I beginnt. Ganz so einfach ist es nicht. Ferdinand Alexander Porsche entwarf damals tatsächlich jene mattschwarze Uhr, die Porsche Design heute als ersten vollständig mattschwarzen Chronographen bezeichnet. Die abgebildete Ref. 7176 S ist jedoch nicht dieses erste Modell. Sie gehört zu einer späteren Generation und trägt mit dem Lemania 5100 ein anderes Werk unter dem Zifferblatt.

Das macht sie historisch nicht kleiner. Der ursprüngliche Chronograph I war die Provokation. Die 7176 S machte aus dieser Provokation ein Werkzeug.

Schließe der Orfina Porsche Design Ref. 7176 S

Schließe der Orfina Porsche Design Ref. 7176 S / Foto: A Watch Affair

Eine Uhr für Menschen, die eigentlich ein Auto wollten

Ferdinand Alexander Porsche hatte die Silhouette des Porsche 911 entscheidend geprägt, bevor er 1972 gemeinsam mit seinem Bruder Hans-Peter ein eigenes Designbüro in Stuttgart gründete. Der erste Auftrag kam aus der Familie. Porsche suchte eine besondere Uhr für verdiente Mitarbeiter und ausgewählte Kunden. Eine goldene Ehrengabe hätte niemanden überrascht. F. A. Porsche entschied sich für das Gegenteil.

Sein Vorbild lag nicht in den Auslagen der Juweliere, sondern hinter dem Lenkrad. Die Instrumente eines Rennwagens müssen unter wechselndem Licht schnell erfassbar bleiben. Schwarze Flächen schlucken Reflexionen, weiße Markierungen schaffen Kontrast und ein roter Zeiger setzt dort einen Akzent, wo das Auge sofort reagieren soll. Porsche formulierte seine Absicht später knapp: „My goal was to design a watch for the 911 driver.“ Porsche Design: Geschichte des Chronograph I

Orfina aus Grenchen übernahm die Fertigung. Der Chronograph I wurde 1972 vorgestellt, die ersten Serienuhren gelangten wahrscheinlich 1973 zu den Kunden. Sein Gehäuse und das Band waren vollständig schwarz, das Zifferblatt verzichtete auf metallischen Glanz, und die gesamte Uhr wirkte eher wie ein Präzisionsinstrument als wie ein klassisches Statussymbol. Porsche Design bezeichnet sie bis heute als ersten komplett mattschwarzen Chronographen. Porsche Newsroom: A Measure of Time

Unter dem Zifferblatt arbeitete zunächst das damals neue Valjoux 7750. Erst als dessen Produktion während der Quarzkrise vorübergehend endete, wechselte Orfina zum Lemania 5100. Aus diesem Wechsel entstand die Modellgeneration, zu der die Ref. 7176 S gehört.

Ferdinand Alexander Porsche und der Chronograph I

Ferdinand Alexander Porsche und der Chronograph I / Quelle: Porsche Design

Die 7176 S ist nicht von 1972

Die Referenzen 7176 und 7177 markieren die zweite große Entwicklungsstufe des Chronograph I. Sammlerarchive setzen ihren Beginn ungefähr in die zweite Hälfte der 1970er-Jahre. Die zivile Linie trug die Nummer 7176, während die 7177 vor allem mit militärisch gestalteten und teilweise tatsächlich ausgegebenen Varianten verbunden ist. Innerhalb der 7176-Familie existieren mehrere Gehäuseboden-, Zifferblatt- und Rehautvarianten, darunter die Bezeichnungen 7176, 7176 D und 7176 S. Orfina Porsche Design Reference Guide

Eine konkrete 7176 S ohne Prüfung von Seriennummer, Gehäuseboden und Werk pauschal auf 1974 zu datieren, ist deshalb nicht sauber. Viele erhaltene Exemplare werden in die späten 1970er- oder die 1980er-Jahre eingeordnet. Auch die fotografierte Uhr verrät ihre Generation sofort. Bei zwölf Uhr sitzt keine gewöhnliche 30-Minuten-Anzeige des Valjoux 7750, sondern die 24-Stunden-Anzeige des Lemania 5100. Gestoppte Minuten werden nicht in einem Hilfszifferblatt gesammelt. Dafür besitzt die Uhr einen eigenen zentralen Zeiger.

Die Unterscheidung verändert den Blick auf das Modell. Die Ref. 7176 S war nicht die erste schwarze Porsche Design Uhr und auch nicht die erste Version des Chronograph I. Sie übernahm dessen Gestaltung und verband sie mit einem Werk, das für die funktionale Idee fast noch besser geeignet war.

Ein schwarzes Gehäuse ohne Weltraummärchen

Die Ref. 7176 S besitzt ein schwarz beschichtetes Stahlgehäuse und ein passendes Metallband. Erhaltene Exemplare sowie Auktionsbeschreibungen führen die Oberfläche als PVD-Beschichtung. Physical Vapour Deposition beschreibt eine Gruppe von Verfahren, bei denen Material im Vakuum verdampft oder zerstäubt und als dünne Schicht auf einem Werkstück abgeschieden wird.

PVD wird häufig mit der Luft- und Raumfahrt verbunden, stammt aber nicht aus ihr. Physikalische Abscheidungsverfahren waren bereits im 19. Jahrhundert bekannt und wurden seit dem frühen 20. Jahrhundert kommerziell im Vakuum eingesetzt. Die Raumfahrt nutzte und verfeinerte solche Beschichtungen später, sie erfand das Verfahren jedoch nicht. Materials Science and Technology: Physical vapour deposition processes

Auch beim ursprünglichen Chronograph I sollte man nicht jede schwarze Oberfläche unterschiedslos PVD nennen. Innerhalb der frühen Valjoux-Generation sind verschiedene schwarze Beschichtungen dokumentiert, darunter Pulverbeschichtungen und PVD-Ausführungen. Die schwarze Uhr von 1972 begründete die Gestaltungsidee, doch nicht jedes erhaltene Exemplar wurde technisch gleich behandelt.

An der 7176 S zeigt sich die Schwäche früher schwarzer Beschichtungen besonders ehrlich. Kanten werden blank, Drücker verlieren Farbe und an der Krone erscheint der Stahl unter der dunklen Oberfläche. Sammler sprechen gern von Patina, obwohl ein Teil davon schlicht Abrieb ist. Bei dieser Uhr passt er trotzdem zum Charakter. Ein makelloses Gehäuse kann großartig erhalten sein, es kann aber auch später neu beschichtet worden sein. Schönheit und Originalität sind bei schwarzen Vintage-Uhren nicht immer dasselbe.

Lemania 5100: ein Werk mit zwei großen Zeigern

Das Lemania 5100 trägt gleich drei mögliche Jahreszahlen im Gepäck. Fachtexte nennen 1974, der spezialisierte Orfina-Referenzführer setzt die Lemania-Phase ungefähr ab 1976 an, während Werkdatenbanken wie Ranfft 1978 führen. Keine dieser Quellen erklärt ihre Zahl mit derselben Definition von Entwicklung, erster Verwendung oder breiter Serienverfügbarkeit. Eines der Jahre mit Gewalt zum Sieger zu erklären, sähe präzise aus und wäre gerade deshalb ungenau. Für die 7176 S reicht der gemeinsame Nenner: Das 5100 gehört in die zweite Hälfte der 1970er-Jahre, blieb bis in die frühen 2000er in Produktion und kennzeichnet die spätere Generation des Chronograph I, nicht die ursprüngliche Valjoux-Ausführung von 1972.

Das Ergebnis war kein Werk für den Saphirglasboden. Es war ein automatischer Chronograph mit 17 Steinen, 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und einer Gangreserve von ungefähr 48 Stunden. Eine Nockenschaltung steuert den Chronographen, eine vertikale Kupplung verbindet ihn mit dem Räderwerk. Die Architektur war auf rationelle Fertigung und Widerstandsfähigkeit ausgelegt. Revolution: Geschichte des Lemania 5100 und WatchBase: Lemania 5100

Sein eigentliches Kunststück findet vor dem Zifferblatt statt. Neben dem zentralen Chronographensekundenzeiger besitzt das 5100 einen zweiten großen Zeiger für die gestoppten Minuten. Statt nach zehn oder zwanzig Minuten in einem kleinen Totalisator suchen zu müssen, liest man die verstrichene Zeit beinahe so direkt ab wie die normale Uhrzeit. Bei sechs Uhr zählt ein Hilfszifferblatt bis zwölf Stunden, bei neun Uhr läuft die kleine Sekunde und bei zwölf Uhr zeigt ein weiterer Zeiger den 24-Stunden-Rhythmus. Tag und Datum sitzen bei drei Uhr.

Diese Informationsdichte könnte chaotisch wirken. F. A. Porsches Gestaltung hält sie zusammen. Weiße Zeiger, klare Skalen und die schwarze Grundfläche schaffen eine Hierarchie, bei der der rote Chronographensekundenzeiger sofort auffällt und der zentrale Minutenzeiger trotzdem lesbar bleibt. Das Zifferblatt ist kein minimalistisches Kunstwerk. Es ist ein gut organisiertes Armaturenbrett.

Orfina Porsche Design Ref. 7176 S

Die Orfina Porsche Design Ref. 7176 S mit Lemania 5100 / Foto: A Watch Affair

Grenchen trifft Zuffenhausen

Das Gehäuse misst je nach Messmethode ungefähr 41 Millimeter und ist rund 15 Millimeter hoch. Damit trägt sich die 7176 S nicht wie eine zierliche Uhr aus den 1970er-Jahren. Ihre tonneauförmige Kontur, das breite Band und der hohe Werksaufbau verleihen ihr körperliche Präsenz, ohne sie in die Dimensionen moderner Großuhren zu treiben.

Der Gehäuseboden vergleichbarer Exemplare trägt eine Angabe von 10 ATM. Das bezeichnet die ursprüngliche Konstruktion, nicht den heutigen Zustand einer Jahrzehnte alten Uhr. Dichtungen altern, Kronen werden abgenutzt und Gehäuse mehrfach geöffnet. Ohne aktuelle Druckprüfung gehört eine 7176 S weder ins Schwimmbecken noch unter die Dusche.

Das schwarze Metallband führt die Gehäuseform fort und endet in einer signierten Faltschließe. Ersatzglieder, originale Schließen und vollständig erhaltene Beschichtungen sind heute wichtiger, als es die nüchterne Konstruktion vermuten lässt. Eine Uhr lässt sich warten. Ein fehlendes Glied mit passender gealterter Oberfläche muss man erst einmal finden.

Am Handgelenk zeigt sich, weshalb der Entwurf fünf Jahrzehnte überstanden hat. Die Uhr versucht nicht, schlanker, kostbarer oder komplizierter zu wirken, als sie ist. Ihre Ablesbarkeit stammt nicht aus einem Marketingtext, sondern aus der konsequenten Verteilung von Schwarz, Weiß und Rot. Selbst das gealterte Tritium nimmt ihr diese Klarheit nicht. Es färbt die weißen Flächen wärmer, ohne die Grundidee zu verdecken.

Top Gun, aber nicht ganz diese Uhr

Der Chronograph I erhielt 1986 eine Filmrolle, für die andere Uhrenmarken ganze Kampagnen erfunden hätten. Tom Cruise trug als Pete „Maverick“ Mitchell in Top Gun einen schwarzen Orfina Porsche Design Chronograph. Die Verbindung zwischen Modellfamilie und Film ist damit real.

Bei der genauen Referenz wird die Geschichte unsauberer. Nahaufnahmen des Filmchronographen zeigen die Zifferblattanordnung und die „1 Mile“-Tachymeterskala der früheren Valjoux-7750-Ausführung. Die fotografierte 7176 S mit Lemania 5100 besitzt dagegen den zentralen Minutenzeiger und die 24-Stunden-Anzeige bei zwölf Uhr. Sie wird im Handel trotzdem häufig „Top Gun“ genannt, weil die Gehäuseform und der schwarze Auftritt eng verwandt sind. Historisch genauer bleibt die Formulierung, dass Maverick einen Chronograph I trug, nicht zwingend diese konkrete 7176 S. Watch ID: Porsche Design Chronograph 1 in Top Gun

Auf der Rennstrecke ist die Quellenlage greifbarer. Mario Andretti trug während seiner Formel-1-Saison 1978 einen Orfina Porsche Design Chronograph I. Nachdem ihm eine Uhr in Brasilien gestohlen worden sein soll, erhielt er Ersatz von F. A. Porsche und trug das Modell auch im Jahr seines Weltmeistertitels. Die oft ergänzten Namen Carlos Reutemann und Emerson Fittipaldi sind nicht ebenso gut dokumentiert und müssen für die Bedeutung der Uhr nicht als Verstärkung herhalten. Fratello: Chronograph I und Mario Andretti

Orfina Porsche Design Ref. 7176 S am Arm

Am Arm: die Orfina Porsche Design Ref. 7176 S / Foto: A Watch Affair

Eine Familie mit mehr Varianten als klaren Namen

Die Modellgeschichte lässt sich nicht sinnvoll auf eine schwarze, eine blanke und eine militärische 7176 reduzieren. Dafür existieren zu viele Kombinationen aus Gehäuseboden, Beschichtung, Zifferblatt, Rehaut und Logo.

Den Anfang bildet die frühe Chronograph-I-Generation mit Valjoux 7750. Sie trägt die ursprüngliche 6-9-12-Anordnung, bei der das Hilfszifferblatt bei zwölf Uhr die gestoppten Minuten zählt. Innerhalb dieser Generation gab es verschiedene Gehäuseformen, schwarze Oberflächen, Rehauts und Zifferblattsignaturen.

Darauf folgte die zivile Familie 7176 mit Lemania 5100. Zu ihr gehören mehrere Generationen und die später verwendeten Zusätze D und S. Neben Schwarz sind auch helle, graue und anders beschichtete Ausführungen dokumentiert. Die Typografie und einzelne Zeigerformen können variieren, doch solche Details lassen sich nur zusammen mit Seriennummer und Gehäuseboden sinnvoll datieren.

Die Referenz 7177 fasst die militärisch geprägten Varianten zusammen. Manche wurden tatsächlich an Streitkräfte ausgegeben und tragen entsprechende Nummern auf dem Boden. Andere konnten regulär gekauft werden, obwohl „Military“ oder militärische Zeichen auf dem Zifferblatt stehen. Eine militärische Optik beweist daher noch keine militärische Provenienz.

Weder die Herstellerunterlagen noch der Orfina-Referenzführer weisen 7176 B für „blanc“ oder 7176 AM als eindeutige Bundeswehrreferenz aus. Händlerkürzel bekommen durch häufiges Abschreiben schnell den Ton eines Archivstempels, ohne je einen gesehen zu haben. Für Kauf und Einordnung zählt deshalb die vollständige Uhr mit Boden, Werk, Zifferblatt und Seriennummer, nicht die bequemste Buchstabenkombination im Angebotstitel.

Worauf man beim Kauf wirklich achten sollte

Bei einer 7176 S entscheidet der Zustand nicht allein darüber, ob eine Uhr gut oder schlecht ist. Eine stark getragene, aber originale Beschichtung kann historisch interessanter sein als eine frisch geschwärzte Oberfläche ohne nachvollziehbare Dokumentation. Umgekehrt bleibt Abrieb ein Schaden, auch wenn er fotogen aussieht.

Wichtig sind vor allem fünf Punkte:

  1. Referenz und Seriennummer: Gehäuseboden, Zifferblattlayout und Werk müssen zusammenpassen. Die Bezeichnung 7176 S allein datiert eine Uhr noch nicht zuverlässig.
  2. Beschichtung: Eine Neubeschichtung kann technisch hervorragend ausgeführt sein, sollte aber offengelegt werden. Originale Kanten und Gravuren dürfen nicht durch zu starke Aufarbeitung verschwinden.
  3. Werkzustand: Das Lemania 5100 gilt als robust, doch Ersatzteile sind begrenzt. Eine unbekannte Servicehistorie gehört in die Kostenplanung, nicht in die Hoffnung.
  4. Zifferblatt und Zeiger: Alterung von Tritium, Zeigern und Indizes sollte plausibel zusammenpassen. Servicezeiger oder neu aufgetragene Leuchtmasse sind nicht automatisch schlecht, müssen aber im Preis und in der Beschreibung berücksichtigt werden.
  5. Band und Schließe: Originale Bandglieder, Endstücke und die signierte Schließe sind schwerer zu ersetzen als ein gewöhnliches Lederband.

Patinierte Krone der Orfina Porsche Design Ref. 7176 S

Patinierte Krone der Orfina Porsche Design Ref. 7176 S / Foto: A Watch Affair

Der Markt zwischen Abrieb und Aufpreis

Die 7176 S ist kein Einzelstück und war auch kein streng limitiertes Modell. Die Orfina-Ära brachte über viele Jahre zahlreiche zivile und militärisch gestaltete Varianten hervor. Seltenheit entsteht heute vor allem durch eine besondere Ausführung, nachvollziehbare Provenienz, einen außergewöhnlich guten Originalzustand oder ein vollständiges Set.

Händlerangebote bewegen sich häufig im Bereich mehrerer Tausend Euro, doch ein Angebotspreis ist zunächst nur ein Wunsch mit Artikelnummer. Im Februar 2024 erzielte eine 7176 S mit Box, Papieren und Ersatzgliedern beim Dorotheum 2.600 Euro vor Aufgeld. Ein deutlich getragenes 7176-Exemplar wurde dort im selben Jahr für 600 Euro verkauft. Außergewöhnliche Varianten und besonders gute Uhren können wesentlich höher liegen. Eine pauschale Marktspanne von 3.000 bis 8.000 Euro würde Abrieb, Ausstattung und Provenienz in denselben schwarzen Eimer werfen. Dorotheum: Auktionsergebnis einer Ref. 7176 S

Wer nur eine makellose schwarze Oberfläche sucht, findet moderne Neuauflagen mit besserer Beschichtung, Saphirglas und aktueller Wasserdichtigkeit. Die alte Orfina bietet etwas anderes. Ihre hellen Kanten, das gealterte Tritium und das Lemania 5100 erzählen von einer Zeit, in der Schwarz auf einer Luxusuhr noch keine sichere Verkaufsfarbe war.

Alltag mit einem Instrument

Trotz ihrer Geschichte verlangt die 7176 S keine Vitrine. Die Gehäuseform trägt sich kompakter, als die Höhe vermuten lässt, und das Band verteilt das Gewicht breit über das Handgelenk. Zum Anzug wirkt die Uhr nicht elegant im klassischen Sinn, aber konsequent. Zur Lederjacke muss sie sich weniger erklären. In beiden Fällen bleibt sie sichtbar, ohne durch Glanz Aufmerksamkeit zu kaufen.

Der eigentliche Reiz zeigt sich beim Starten des Chronographen. Zwei große Zeiger setzen sich übereinander in Bewegung, trennen Sekunden und Minuten und machen die verstrichene Zeit direkt auf dem Hauptzifferblatt sichtbar. Das ist eine technische Lösung, die man nach wenigen Benutzungen vermisst, sobald gestoppte Minuten wieder in einem winzigen Hilfszifferblatt verschwinden.

Die Uhr fühlt sich dabei nicht wie ein verkleinertes Auto an. Sie übernimmt vielmehr dieselbe gestalterische Disziplin. Information wird geordnet, Reflexion vermieden und Farbe nur dort eingesetzt, wo sie eine Funktion besitzt. Der Bezug zum 911 steckt weniger in einer nachgezeichneten Karosserielinie als in der Weigerung, Überflüssiges mitzunehmen.

Orfina Porsche Design Ref. 7176 S

Orfina Porsche Design Ref. 7176 S / Foto: A Watch Affair

Vom Designschock zum Werkzeug

Die Ref. 7176 S hat die schwarze Armbanduhr nicht erfunden. Diese Rolle gehört dem ursprünglichen Chronograph I von 1972, den Orfina zunächst mit dem Valjoux 7750 fertigte. Sie war auch nicht nachweislich die konkrete Uhr an Tom Cruises Hand in Top Gun. Wer ihr beides zuschreibt, macht die Legende größer und die tatsächliche Uhr kleiner.

Ihre eigene Leistung liegt in der Weiterentwicklung. Die 7176 S nahm Ferdinand Alexander Porsches radikale Gestaltung und verband sie mit einem der charakteristischsten Chronographenwerke seiner Zeit. Das Lemania 5100 ergänzte den schwarzen Instrumentenlook um eine Anzeige, die diesen Namen verdiente. Zwei zentrale Chronographenzeiger machten gestoppte Zeit schneller erfassbar, während das robuste Gehäuse und das Metallband den Entwurf aus der Designwelt in den Alltag trugen.

1972 bewies Porsche Design, dass eine Uhr vollständig schwarz sein durfte. Einige Jahre später zeigte die 7176 S, dass der erste Schock einen Beruf gelernt hatte. Sie sah nicht mehr nur nach Cockpit aus. Sie konnte arbeiten.

Porsche Design

Ref. 7176 S

⌀ 41mm

Material
Edelstahl, schwarz PVD-beschichtet
Wasserdicht
100 m
Zifferblatt
Schwarz
Werk
Lemania 5100
Gangreserve
48 Stunden
Armband
schwarz PVD-beschichtetes Edelstahlband
Höhe
15 mm

Verfügbar Vintage / nicht mehr erhältlich

Unlimitiert

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