Boarding Pass fürs Handgelenk: Q Timex GMT Pepsi
Boarding Pass fürs Handgelenk: Q Timex GMT Pepsi
Diese Uhr wirkt wie ein Boarding-Pass mit eigener Geschichte: Die rot-blaue GMT-Lünette weckt Fernweh.
Fernweh für 249 Euro
Die Q Timex GMT Pepsi sieht aus wie ein Boardingpass, der selbst dann gültig bleibt, wenn die Reise nur bis zum nächsten Café führt. Rot und Blau teilen sich die Lünette, ein vierter Zeiger zieht im gemächlichen 24-Stunden-Takt seine Runde, und plötzlich riecht der Weg zum Kiosk ein wenig nach Abflughalle. Diese Uhr verspricht keine Expedition. Sie sorgt lediglich dafür, dass man kurz eine buchen möchte.
Mit 249 Euro kostet die Ref. TW2V38000 ungefähr so viel wie bei manchen Herstellern ein zusätzliches Stahlband. Dafür reist kein mechanisches Manufakturkaliber mit, und eine Rolex wird auch durch kräftiges Schielen nicht daraus. Timex liefert eine angenehm ehrliche Quarzuhr mit brauchbarer GMT-Funktion, eigener Geschichte und gerade genug Prominenz am Handgelenk, um den Montagmorgen für einen Moment nach Hotelbar aussehen zu lassen.
Bevor die GMT kam, war da das Q
Ihr Stammbaum führt zurück ins Jahr 1979. Damals setzte Timex ein großes Q aufs Zifferblatt, damit wirklich niemand die Batterie im Inneren für ein peinliches Familiengeheimnis hielt. Quarz war kein Trostpreis für Menschen ohne mechanisches Uhrwerk, sondern die technische Gegenwart: präzise, robust und zunehmend erschwinglich. Für Timex, seit jeher im Geschäft mit alltagstauglichen Uhren, kam diese Revolution weniger wie ein Räumungsbescheid als wie eine Einladung.
Die damalige Q Timex kombinierte ein kantiges Stahlgehäuse mit verdeckten Bandanstößen, drehbarer Lünette und geflochtenem Metallband. Auf der Rückseite saß ein runder Batteriedeckel, den der Besitzer mit einer Münze öffnen konnte. Während Schweizer Hersteller ihre Werke hinter Gold und Ehrfurcht verbargen, legte Timex dem Kunden den Batteriewechsel praktisch in die Hand. Demokratischer konnte eine Gehäuserückseite kaum werden.
2019 kehrte die Form als Q Timex 1979 Reissue zurück. Ihre 38 Millimeter, das gewölbte Acrylglas, die zweifarbige Lünette und das eigentümlich anschmiegsame Stahlband trafen eine Uhrenwelt, die gerade wieder Geschmack an kleineren Gehäusen und ehrlichen Neuauflagen fand. Die Mechanik hatte ihren Thron längst zurückerobert, doch inzwischen durfte man auch wieder zugeben, dass gutes Design nicht aufhört, gutes Design zu sein, sobald eine Batterie einzieht.
Erst 2022 bekam die wiederbelebte Q einen vierten Zeiger. Das Gehäuse blieb vertraut, die Lünette lernte bis 24 zu zählen, und aus der nostalgischen Dreizeigeruhr wurde eine kleine Reiseuhr. Die GMT-Funktion wirkt dabei nicht nachträglich angeklebt. Sie passt zum Jetset-Gesicht der Q, als hätte das Modell seit 1979 lediglich auf seinen Reisepass gewartet. Timex zur Q Timex 1979 Reissue

Q Timex GMT Pepsi Ref. TW2V38000 / Foto: A Watch Affair
Eine bekannte Farbkombination, aber keine verkleidete Rolex
Rot und Blau gehörten bereits zur dreizeigrigen Q Timex von 1979, damals allerdings auf einer Zwölfstundenskala und damit eher als modisches Doppelspiel. Bei der GMT darf die Farbkombination endlich arbeiten. Ihre 24-Stunden-Lünette trennt grob Nacht und Tag, während der zusätzliche Zeiger darauf die Uhrzeit einer zweiten Zeitzone anzeigt.
Wer dabei nicht an die Rolex GMT-Master denkt, hat entweder bemerkenswerte Selbstbeherrschung oder noch nie ein Uhrenforum geöffnet. Auch der Spitzname Pepsi stammt aus dem Rolex-Kosmos, in dem Farbkombinationen längst so sorgfältig getauft werden wie Rennpferde. Timex bedient sich unverkennbar an dieser Bildsprache, übernimmt aber nicht die ganze Uniform. Das tonnenförmige Gehäuse, die verdeckten Anstöße, der Quarzschriftzug und der Batteriedeckel sprechen weiterhin mit deutlich amerikanischem Akzent.
Zum Marktstart 2022 standen drei Versionen bereit: die rot-blaue Pepsi und eine schwarz-blaue Ausführung am Stahlband sowie ein vollständig schwarzes Modell am Kautschukband. Eine Root Beer gehörte ebenso wenig zu dieser ersten GMT-Familie wie eine schwarz-rote Coke. Braun-goldene Q Timex Modelle gibt es durchaus, nur werden aus ihnen durch einen bekannten Spitznamen noch lange keine nachträglich entdeckten GMT-Referenzen. Vorstellung der Q Timex GMT von 2022
Die Pepsi erzählt von allen Varianten die rundeste Geschichte. Ihre Farben erinnern an die Q von 1979 und erfüllen zugleich jene Aufgabe, für die eine GMT-Lünette gedacht ist. Das Zitat ist offensichtlich, doch Timex besitzt genug eigene Vergangenheit, um dabei nicht wie ein Mann mit geliehener Pilotenjacke auszusehen.
Was der vierte Zeiger wirklich kann
Unter dem Zifferblatt arbeitet das Schweizer Quarzkaliber Ronda 505.24H, das Timex und zeitgenössische Berichte häufig verkürzt als 505.24 führen. Die Nummer klingt wie das Ergebnis einer Steuerprüfung, erfüllt ihren Zweck aber zuverlässig. Es treibt Stunde, Minute, zentrale Sekunde, Datum und den unabhängig einstellbaren GMT-Zeiger an, ohne daraus eine mechanische Heldensage zu machen.
Der rote GMT-Zeiger benötigt 24 Stunden für eine Runde und lässt sich unabhängig über die Krone einstellen. Damit folgt die Timex dem Prinzip einer Office-GMT: Der zusätzliche Zeiger springt, der lokale Stundenzeiger nicht. Wer zu Hause wissen möchte, ob ein Anruf in New York gerade geschäftstüchtig oder sozial gewagt wäre, bekommt die bequemste Lösung. Nach einer Landung muss dagegen die normale Uhrzeit neu gestellt werden. Teurere Traveller-GMTs lassen dafür den lokalen Stundenzeiger in Stundenschritten springen, doch bei 249 Euro darf selbst das Fernweh gelegentlich an der Krone drehen.
Mit der drehbaren 24-Stunden-Lünette lässt sich sogar eine dritte Zeitzone ablesen. Dazu bleibt der GMT-Zeiger auf einer bekannten Zeit, während die Lünette entsprechend versetzt wird. Ein wenig Kopfrechnen reist mit, aber das Verfahren funktioniert. Die Q wird dadurch nicht zur Kommandozentrale eines internationalen Flughafens, wohl aber zu einem brauchbaren Werkzeug für Menschen, deren Kalender über mehrere Zeitzonen stolpert.
Bei frühen Exemplaren der Ref. TW2V38000 lässt sich die Lünette in beide Richtungen drehen. Sie wird nur durch Reibung gehalten und rastet nicht. Wer das satte Klicken einer Taucherlünette erwartet, greift zunächst ins akustische Leere. Im Alltag zählt vor allem, ob genügend Widerstand vorhanden ist, damit die eingestellte Position nicht bei jeder Hemdmanschette auswandert. Timex verändert Details laufender Serien gelegentlich mit der Gelassenheit eines Vermieters beim nächsten Anstrich. Diese Beschreibung gehört deshalb zur gezeigten frühen Ausführung und nicht automatisch zu jeder Uhr, die später dieselbe Referenz trägt.
38 Millimeter und kein Gramm Größenwahn
Mit 38 Millimetern Durchmesser hält sich die GMT aus dem gegenwärtigen Wettrüsten am Handgelenk heraus. Ihre Höhe von 12,5 Millimetern klingt weniger zurückhaltend, doch ein Teil davon entfällt auf das gewölbte Acrylglas. Von der Seite wirkt die Uhr deshalb eher rundlich als aufgeschichtet.
Am Arm trägt sie sich präsenter, als 38 Millimeter vermuten lassen. Die breite Gehäuseoberseite, die verdeckten Anstöße und das optisch unmittelbar anschließende Band geben ihr mehr Fläche als einer klassischen runden Uhr gleicher Größe. Trotzdem bleibt alles kurz genug für schmalere Handgelenke. Die Q sitzt sichtbar da, ohne wie ein umgeschnallter Aschenbecher über die Manschette zu verhandeln.
Das geflochtene Stahlband der 1979 Reissue, von haarigen Handgelenken gelegentlich mit dem wenig liebevollen Namen Rasiermesserband bedacht, blieb zu Hause. Die GMT trägt ein dreigliedriges Edelstahlband mit kleinteiliger Optik und Faltschließe. Es erinnert an ein Jubilee, ist konstruktiv aber keines. Diesen Unterschied erkennt vor allem, wer Armbänder mit derselben Inbrunst zählt, mit der andere Menschen Briefmarkenzähne prüfen.
Zwischen den Bandanstößen liegen 18 Millimeter. Damit steht reichlich Ersatz bereit, nur versteht sich das besondere Gehäuse nicht mit jedem geraden Leder- oder Textilband. Das Original führt seine Linien am saubersten fort. Kautschuk oder Textil nehmen der Uhr etwas Gewicht und stehen ihr im Sommer trotzdem gut, selbst wenn der nächste Grenzübertritt lediglich an den Badesee führt.

Q Timex GMT Pepsi am Handgelenk / Foto: A Watch Affair
Acrylglas ist hier kein Sparprogramm
Acryl verkratzt leichter als Saphir. Diese Feststellung ist ungefähr so überraschend wie der Hinweis, dass ein Leinenanzug schlechter gegen Regen schützt als eine Funktionsjacke. Trotzdem kann der Leinenanzug die bessere Wahl sein. Das gewölbte Glas bricht das Licht an seinen Rändern, zieht das Zifferblatt in flachen Winkeln leicht in die Länge und gibt dem Entwurf jene Wärme, die ein flaches Saphirglas schnell unter eine sterile Käseglocke setzen würde.
Feine Kratzer lassen sich meist auspolieren. Man muss deshalb nicht jede Spur zum bewegenden Kapitel einer persönlichen Patinageschichte erklären. Acryl verlangt lediglich etwas Gelassenheit und belohnt sie mit einer Optik, die härtere Gläser nur unter großem technischen Aufwand imitieren.
Darunter liegt ein mattschwarzes Zifferblatt mit applizierten Indizes. Mercedes-Stundenzeiger, runde Leuchtflächen und der rote GMT-Pfeil bedienen bekannte Sportuhrenmotive, ohne sie in künstlich vergilbter Nostalgie zu marinieren. Tagsüber ist die Uhr sehr gut ablesbar. Nachts reicht die Leuchtmasse für den Alltag, nur sollte niemand erwarten, damit bis zum Morgengrauen eine Hafenmauer zu kartieren.
Der Batteriedeckel und seine kleine Fußnote
Der runde Batteriedeckel ist eine der besten Pointen dieses Entwurfs, und sie sitzt ausgerechnet auf der Rückseite. Bei der 2022 vorgestellten GMT lässt er sich mit einer passenden Münze öffnen. Quarz bedeutete einmal nicht allein Präzision, sondern auch Unabhängigkeit: neue Batterie hinein, Deckel zu, weiterleben. Eine Uhr für Menschen, die beim Batteriewechsel weder weißen Kittel noch dunkle Holzvertäfelung benötigen.
Ganz ohne Sorgfalt geht es freilich nicht. Dichtung und Deckel müssen korrekt sitzen, sonst wird aus der angegebenen Wasserdichtigkeit eine optimistische Erinnerung. Bei neueren Ausführungen empfiehlt Timex teilweise den Wechsel durch einen Servicebetrieb, außerdem können überarbeitete Deckel ohne den klassischen Münzschlitz vorkommen. Der Schlitz ist also kein vererbbares Grundrecht jeder Q GMT. Das hier gezeigte frühe Modell trägt ihn noch, und dort gehört er zur Identität wie das Q auf dem Zifferblatt, nur mit weniger Talent für Fotos.
Alltagstauglich, solange man 50 Meter richtig liest
Auf dem Papier hält die Q Timex GMT bis 50 Meter dicht. In der sonderbaren Sprache der Uhrenbranche sind das keine fünfzig Meter Tauchtiefe, sondern Regen, Händewaschen und leichtes Schwimmen. Timex rät von Schnorcheln und Sprüngen ins Wasser ab. Bei gebrauchten Exemplaren entscheidet ohnehin der Zustand der Dichtungen darüber, ob die Theorie noch mit ins Becken darf.
Im Alltag punktet die Uhr mit lauter Dingen, über die sich schlecht bei Champagner diskutieren lässt. Das Quarzwerk wartet nicht auf Bewegung, das Datum sitzt gut sichtbar bei drei Uhr, und die zweite Zeitzone läuft weiter, wenn die Uhr übers Wochenende auf der Kommode liegen bleibt. In einem stillen Raum hört man das Ticken. Es ist kein akustisches Ereignis, eher ein regelmäßiger Hinweis darauf, dass mechanische Romantik hier Hausverbot hat.
Niemand wird die Verarbeitung mit einer teuren Manufakturuhr verwechseln. Die Schließe erledigt ihren Dienst ohne Applaus, dem Band fehlt die satte Ruhe eines Luxusprodukts, und die Reibungslünette bietet weniger Fingerspielzeug als ein präziser Rastmechanismus. Bei diesem Preis wäre alles andere verdächtig. Timex hat das Geld dort untergebracht, wo man es sieht und nutzt: in guten Proportionen, kräftigen Farben, einem eigenständigen Gehäuse und einer funktionierenden zweiten Zeitzone.
Die beste schlechte Rolex der Welt?
Die rot-blaue Lünette lädt zum Rolex-Vergleich ein wie eine offene Hotelbar zum letzten Drink. Trotzdem ist die Q keine schlechte GMT-Master. Dafür müsste sie überhaupt versuchen, eine zu sein. Quarzwerk, Acrylglas, Reibungslünette und Münzdeckel folgen einer anderen Idee von Attraktivität. Hier geht es weniger um mechanische Erbfolge und kontrollierte Verfügbarkeit als um ein gutes Design, das ohne Bewerbungsgespräch beim Konzessionär auskommt.
Den Flirt mit dem berühmten Vorbild kann Timex nicht leugnen. Mercedes-Zeiger und Pepsi-Lünette sind ungefähr so subtil wie ein Hawaiihemd im Vorstandstreffen. Das kantige Q Gehäuse, die verdeckten Anstöße und der selbstbewusste Hinweis auf das Quarzwerk holen die Uhr jedoch rechtzeitig zu sich selbst zurück. Aus einiger Entfernung erkennt man das Zitat, aus der Nähe den Absender.
Als Übergangslösung bis zur Rolex wäre sie fast zu schade. Die Timex funktioniert besser als Gegenentwurf zu einer Uhrenwelt, in der Begehrlichkeit gern mit Verknappung verwechselt wird. Ihr Reiz steht im Schaufenster, kostet 249 Euro und verlangt keine jahrelang gepflegte Beziehung zu einem Verkäufer, der sich beim dritten Besuch vielleicht sogar an den Nachnamen erinnert.

Zifferblatt der Q Timex GMT Pepsi / Foto: A Watch Affair
Für wen diese Uhr gedacht ist
Eine zweite Zeitzone braucht längst nicht jeder Käufer. Das schadet der Q ungefähr so sehr wie einer Taucheruhr der trockene Büroalltag. Als unkomplizierte Alltagsuhr funktioniert sie auch ohne Interkontinentalflug, besonders für Menschen, denen mechanische GMT-Modelle zu teuer, zu groß oder schlicht zu feierlich sind. Selbst in einer erfahrenen Sammlung hat sie ihren Platz, sofern dort nicht jede Batterie wie ein ungebetener Verwandter behandelt wird.
Ihre Grenzen liegen offen auf dem Tisch. Saphirglas, verschraubte Krone, hohe Wasserdichtigkeit und springender Lokalstundenzeiger fehlen. Dafür kommen 38 tragbare Millimeter, zuverlässige Quarzpräzision, gewölbtes Acryl und eine ordentliche Portion späte Siebziger. Charakter wird hier nicht in Handarbeit graviert, sondern ziemlich effizient aus Farbe, Form und Funktion zusammengesetzt.
Die Q Timex GMT stellt keinen Luxus zum Discountpreis nach. Sie erinnert vielmehr daran, wie wenig Material Begehrlichkeit manchmal benötigt. Eine rot-blaue Lünette, ein vierter Zeiger und ein gutes Gehäuse genügen, damit der Weg zum Kiosk kurz wie der Gang zum Gate aussieht. Der Urlaub bleibt eingebildet. Die Uhr ist echt.
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