Diese Uhr macht keinen Lärm. Keine heroische Gehäusegröße, keine dramatische Lünette, kein „schau mal, ich kann Ewiger Kalender“ im Großformat. Die Traditionnelle Perpetual Calendar Ultra-Thin tritt auf, als sei sie schon immer da gewesen. 36,5 Millimeter, ein Zifferblatt in zurückhaltendem Silberton, dazu ein Kalender, der Jahrhunderte überblickt und so tut, als sei das die normalste Sache der Welt.

Während anderswo weiter um Zehntelmillimeter in Richtung „größer, präsenter, sportlicher“ gerungen wird, legt Vacheron Constantin hier ein Stück Uhrmacherei auf den Tisch, das den Trend einfach ignoriert. Kein Manifest, keine Rebellion, eher eine beiläufige Erinnerung daran, dass echte Kompetenz keine Verstärkeranlage braucht.

Ref. 4300T_00G-H106, 4300T_ 000R-H107, 4305T_ 000G-H135

270 Jahre Marke, Ewiger Kalender als Grundhaltung

Wer Vacheron Constantin heute betrachtet, vergisst leicht, wie lange dieses Haus schon mit mechanischer Zeit arbeitet. 1755 gegründet, 2025 im zweihundertundsiebzigsten Jahr. In dieser Zeit sammeln sich nicht nur Archive, sondern Routinen, Reflexe, Gewissheiten. Der Ewige Kalender gehört dort nicht in die Schublade „besondere Aktion“, sondern in die Kategorie „Kernkompetenz“.

Bereits im 19. Jahrhundert tauchen Ewige Kalender in der Geschichte der Manufaktur auf. Damals noch als technische Herausforderung für Taschenuhren, später als Antwort auf die Quarzkrise in Form ultraflacher Armbanduhren. Wer einmal verstanden hat, wie man den gregorianischen Kalender in Zahnräder übersetzt, legt das Thema nicht wieder weg. Man feilt daran, Jahrzehnt für Jahrzehnt.

Die Traditionnelle Perpetual Calendar Ultra-Thin steht genau in dieser Linie. Kein Nostalgieprodukt, kein Re-Issue, sondern eine Fortsetzung. Historische Referenzen schwingen im Hintergrund mit, die Uhr selbst besteht aber darauf, ein Gegenwartsobjekt zu sein.

Alle Exemplare der Traditionnelle Perpetual Calendar Ultra-Thin aus dem Jubiläumsjahr 2025 tragen ein spezielles 270-Jahre-Emblem auf dem Gehäuse – eine subtile, aber aussagekräftige Markierung dieser historischen Ausgabe. Damit unterstreicht Vacheron die Kontinuität ohne laute Jubeleien.

Ein extrem flaches Gedächtnis

Im Inneren arbeitet das Automatikwerk 1120 QP. Allein die Zahlen wirken wie ein Test, ob man noch bereit ist, sich von Größenverhältnissen beeindrucken zu lassen.

Das Werk baut nur 4,05 Millimeter hoch. Darin stecken 276 Teile, 36 Lagersteine, ein voll integrierter Ewiger Kalender mit Anzeige für Tag, Datum, Monat, Schaltjahr und Mondalter. Die Unruh schlägt mit 19.800 Halbschwingungen pro Stunde, die Gangreserve liegt bei etwa vierzig Stunden.

Auf dem Papier ist das keine Rekordjagd, sondern eine sehr konzentrierte Konstruktion. Es geht nicht darum, möglichst viele Funktionen in ein möglichst dünnes Werk zu pressen, sondern um eine Architektur, die sowohl flach als auch dauerhaft wartbar bleibt. Dieser Unterschied ist für Sammler entscheidend. Ein extrem flaches Kaliber, das nur unter Laborbedingungen funktioniert, interessiert niemanden. Ein flaches Kaliber, das Jahrzehnte lang zuverlässig arbeitet, sehr wohl.

Optisch spielt das Werk in der Liga, in der man Vacheron einordnet. Anglierte Kanten, Genfer Streifen, kreisförmige Schliffe, dazu ein durchbrochener Rotor mit Malteserkreuz. Das Ganze wirkt nicht nach Dekor als Selbstzweck, sondern nach dem Versuch, die technische Idee auch auf der Oberfläche präzise zu Ende zu erzählen.

Die Kehrseite gehört zur Ehrlichkeit: Vierzig Stunden Gangreserve sind im Jahr 2025 konservativ. Wer die Uhr einen Tag liegen lässt, muss beim Ewigen Kalender wieder genauer hinschauen. Das ist kein Drama, aber ein klarer Hinweis darauf, wo die Prioritäten lagen. Flacher Aufbau und klassische Frequenz standen höher auf der Liste als ein Wochenende ohne Nachdenken.

Ref. 4300T_00G-H106

36,5 Millimeter als Statement

Die nackte Zahl wirkt unspektakulär. 36,5 Millimeter. In den Achtzigern wäre das normal gewesen, heute gilt dieser Durchmesser vielen als „klein“. Genau das macht die Uhr so interessant.

Die Traditionnelle trägt ein schlankes rundes Gehäuse mit gestuften Flanken, schlanker Lünette und geraden Hörnern. Die Höhe von 8,43 Millimetern sorgt dafür, dass das Profil elegant bleibt. Kein Plombeneffekt, kein Kissen, sondern eine Linie, die eher an klassische Dresswatches erinnert als an die Panzerdivision der letzten Jahre.

Es gibt Varianten in 18 Karat Roségold und in Weißgold, jeweils mit Saphirglasboden. Dazu eine Version mit Diamantbesatz für diejenigen, die das Thema noch stärker in Richtung Schmuck treiben wollen. Im Kern bleibt die Konstruktion aber dieselbe: ein sehr bewusst gewähltes Maß, das sich konsequent gegen die allgemeine Tendenz zu „größer“ stellt.

Die Wasserdichtigkeit liegt bei 30 Metern. Das ist ehrlich. Diese Uhr will keine Sportuhr sein, kein Allrounder für Strand, See und Berghütte. Sie ist gebaut für Alltag im urbanen Kontext, für Anzüge, Hemden, ruhige Räume. Wasser ist nicht ihr Element, und sie gibt auch nicht vor, das zu sein.

Kalenderordnung statt Effekthascherei

Das Gesicht der Uhr zeigt, wo hier gedacht wurde. Das Zifferblatt kommt in einem silbrig opalinen Ton, fein strukturiert und ohne spektakuläre Farbverläufe. Am Rand läuft eine Eisenbahn Minuterie, die Stundenindizes sind applizierte Stäbe, die Zeiger klassisch in Dauphine-Form gehalten.

Die Kalenderanzeigen folgen einer sehr klaren Logik. Bei zwölf Uhr sitzt eine 48-Monats-Skala mit integrierter Schaltjahresanzeige. Bei drei Uhr befindet sich das Datum, bei neun Uhr der Wochentag. Bei sechs Uhr schließlich die Mondphase, kombiniert mit der Anzeige des Mondalters.

Das Ergebnis wirkt ruhig. Die Hilfszifferblätter sind nicht brutal abgesetzt, sondern in das Zifferblatt integriert. Man spürt, dass hier die Lesbarkeit Vorrang vor optischem Spektakel hatte. Es geht nicht darum, dem Betrachter zu zeigen, wie viel Ingenieursleistung verbaut wurde. Es geht darum, die Information so zu gliedern, dass sie im Alltag wirklich nutzbar bleibt.

Farbig spielen die Varianten geschickt ihre Rollen. Roségold bringt warme Indizes und Zeiger auf Silber, kombiniert mit dunklem Lederband. Weißgold setzt eher auf kühle Zurückhaltung, gern mit helleren Bändern, die den technischen Charakter betonen. Die diamantbesetzte Version legt eine Schicht Funkeln on top, ohne die Grundstruktur zu verändern.

Ref. 4300T_000R-H107

Von Neo-Vintage zu ultra-aktuell

Die Traditionnelle Perpetual Calendar Ultra-Thin fällt nicht vom Himmel. Wer sich mit Vacheron beschäftigt, landet schnell bei früheren Ewigen Kalendern mit ähnlichen Proportionen. In den Achtzigern etwa gab es Referenzen um 36 Millimeter, ebenfalls flach, ebenfalls mit Vier-Punkt-Kalenderlayout. Diese Modelle gelten heute vielen als Neo-Vintage-Schlüsselstücke der Marke.

Der Gedanke dahinter war damals simpel und genial zugleich. In einer Zeit, in der Quarzwerke die Welt eroberten, setzte Vacheron auf ultraflache mechanische Kalenderwerke, um zu zeigen, dass Präzision auch ohne Elektronik dauerhaft funktionieren kann. Komplexe Kalenderlogik, verpackt in eine kaum spürbare Mechanik am Handgelenk, war so etwas wie ein stilles Gegenargument zur Batteriewelt.

Die heutige Ultra-Thin übersetzt diese Idee ins Jetzt. Die Maße sind ähnlich, die Technik modernisiert, die Zifferblattgestaltung angepasst. Vor allem aber wirkt die Uhr wie eine aktualisierte Haltung. Nicht der Wunsch, sich nostalgisch an frühere Erfolge zu klammern, sondern die Aussage: Das, was damals sinnvoll war, ist heute nicht falsch geworden.

Eine leise Uhr in einem lauten Segment

Der Ewige Kalender spielt heute überwiegend auf Bühnen, auf denen alles etwas größer ausfällt. 39, 40, 41 Millimeter, gern in sportlichen Gehäusen, gelegentlich in Stahl, häufig mit integrierten Bändern, möglichst mit allem, was Marketing begeistert: Farbe, Materialmix, Limited Edition.

Die Traditionnelle Ultra-Thin verweigert sich diesem Theater konsequent. Kein Stahl, kein integriertes Band, keine Taucheroptik. Stattdessen Edelmetall, Leder, klassisches Format. Das ist mutiger, als es auf den ersten Blick wirkt. Eine Uhr dieser Preisklasse kommt nicht mit dem Schutzschild „toolig“ daher. Wer hier zugreift, entscheidet sich bewusst gegen die Multifunktionsfantasie und für ein klar definiertes Einsatzfeld.

Preislich bewegt sich die Uhr im Bereich von rund 100.000 Euro, je nach Ausführung und Markt. Das ist keine Zahl, die man „so mitnimmt“. Das ist eine Summe, die nach Begründung verlangt. Und genau damit legt sie die Latte hoch. Wer in dieser Region einkauft, könnte sich auch problemlos bei anderen großen Namen mit Ewigen Kalendern bedienen. Dass Vacheron in diesem Umfeld eine so zurückgenommene Uhr anbietet, sagt viel darüber, wie die Marke sich selbst versteht.

Ref. 4300T_00G-H106

Klarheit, Format, Konsequenz

Die offensichtlichen Pluspunkte liegen auf der Hand, wenn man den Filter „Sammler“ einschaltet.

Die Größe von 36,5 Millimetern ist in dieser Komplikationsklasse eine Ansage. Sie trifft jene, die sich vom Größentrend der letzten Jahre eher genervt als begeistert fühlen. In Verbindung mit der Höhe von 8,43 Millimetern entsteht ein Profil, das sich wohl eher in der Kategorie „zweite Haut“ einsortieren lässt als bei „mechanischer Block am Arm“.

Das Werk 1120 QP ist technisch sauber, historisch verankert und optisch auf einem Niveau, das dem Preis entspricht. Wer Freude daran hat, ein Uhrwerk zu betrachten, das sichtbar aus einem Umfeld kommt, in dem Handarbeit kein Buzzword ist, bekommt hier genügend Material.

Das Zifferblatt ist lesbar, logisch, diszipliniert. Kein visuelles Chaos, kein Designgimmick, das in fünf Jahren alt aussieht. Der Kalender wirkt wie das, was er ist: ein Instrument.

Und dann ist da die Haltung. Eine Uhr zum Jubiläum, die nicht nach Lautstärke schreit, sondern nach Souveränität aussieht, trifft einen bestimmten Nerv. Sie wirkt wie eine interne Prüfung, die sich die Marke selbst auferlegt hat und bestanden hat.

Komfort, Alltag und Zielgruppe

So überzeugend das Konzept, die Schwachstellen sind klar benennbar.

Die Gangreserve von etwa vierzig Stunden ist im Alltag sicher spürbar. Wer die Uhr nicht permanent trägt, darf regelmäßig Kalender und Mondphase überprüfen. Bei einem Ewigen Kalender ist das immer eine kleine Übung in Aufmerksamkeit. Wer keinen Spaß an dieser Art mechanischer Routine hat, wird sich daran stören.

Die Wasserdichtigkeit von 30 Metern macht die Uhr empfindlich. Ja, sie verträgt Regen und Hände waschen, doch alles, was darüber hinausgeht, sollte man ihr ersparen. Schwimmbad, Meer, spontaner Sprung in den See passen nicht zu dieser Konstruktion.

Und schließlich die Größe. 36,5 Millimeter sind großartig für alle, die klassische Proportionen lieben. Für manche Träger, die sich jahrelang an 40 plus gewöhnt haben, bleibt das eine Hürde. Die Uhr zwingt zur bewussten Umstellung, sie ist nichts für Menschen, die am liebsten alles „wie immer“ haben wollen.

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Kein Hypeobjekt, sondern eine Prüfung des eigenen Geschmacks

Die Vacheron Constantin Traditionnelle Perpetual Calendar Ultra-Thin ist keine Uhr, die man mal eben im Vorbeigehen gefällt. Sie irritiert leise. Sie stellt Fragen, ohne sie auszuformulieren. Willst du wirklich einen Ewigen Kalender in 36,5 Millimetern. Bist du bereit, auf Wassersportfantasien zu verzichten. Reicht dir vierzig Stunden Gangreserve, wenn dafür Werkarchitektur und Proportionen stimmen.

Wer bei diesen Fragen innerlich nickt, findet hier eine der konsequentesten Antworten, die der Markt aktuell bietet. Eine Uhr, die sich nicht anbiedert, nicht versucht, mehrere Rollen gleichzeitig zu spielen und gerade dadurch interessant bleibt.

Under Consideration heißt in diesem Fall nicht, dass Zweifel an der Substanz bestehen. Im Gegenteil. Diese Uhr wird nicht deswegen beobachtet, weil man ihr etwas nicht zutraut, sondern weil sie eine selten klare Haltung zeigt. Ob sie am Ende als moderner Klassiker endet oder als Sammlergeheimtipp, entscheidet die Zeit. Ironischerweise genau das, womit sie sich mechanisch besser auskennt als die meisten anderen.

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