Stellen Sie sich die Speedmaster vor, diese stoische Raumfahrerin, die seit 1969 Mondkrater als Trophäen sammelt, und nun schlüpft sie in einen Reverse-Panda-Smoking: schwarzer Lack, der wie ein polierter Asteroid glänzt, weiße Subdials, die wie frische Einschlagkrater leuchten, und rhodinierte Akzente, die im Licht tanzen wie ferne Satelliten. Omega hat diese Referenz 310.30.42.50.01.004 jüngst aus dem Hut gezaubert – nicht als explosiven Neustart, sondern als leisen Facelift für eine Ikone, die schon alles gesehen hat. Es ist, als würde man einem alten Astronauten einen neuen Helm aufsetzen: Funktioniert immer noch, sieht schicker aus, aber verändert das die Flugbahn? Kaum. Und doch muss man fragen: Ist dieser Glanz ein cleverer Schachzug oder nur ein teurer Anstrich, um die alte Dame frisch zu halten?

Die Speedmaster-Geschichte ist kein glattgebügeltes PR-Epos, sondern ein raues Kapitel aus der NASA-Chronik – Vakuumtests, bei denen Rolex und Co. wie fallende Sterne abstürzten, während Omega standhielt. Buzz Aldrin trug eine bei Apollo 11, ein stiller Zeuge auf dem Mond, und die Professional-Linie klammert sich bis heute an diese vierte Generation: asymmetrisches Gehäuse, gedrehte Bandanstöße, Kronenschutz wie ein Schutzschild gegen kosmische Strahlung. Die neue „Black & White“ trägt das Erbe weiter, nur mit einem Zifferblatt, das von mattem Mondstaub zu spiegelndem Hochglanz wechselt – ein Kontrast, der an vergangene Rennchronographen erinnert, ohne je den Vakuumgeruch zu verlieren. 42 Millimeter Durchmesser, 13,54 Millimeter Höhe, 47,5 Millimeter von Lug zu Lug: Proportionen, die wie ein gut sitzender Raumanzug passen – nicht zu eng für den Alltag, nicht zu weit für die Präsenz. Das 316L-Stahlgehäuse ist ein Bollwerk, die Keramiklünette mit dem ikonischen „Dot over 90“ ein Nicken an die Puristen, die bei jeder Abweichung wie Wächter aufheulen. Saphirglas vorne und hinten, kratzfest und anti-reflektierend, enthüllt das Innenleben wie ein Observatoriumsfenster. Wasserresistenz? 50 Meter – genug, um einen Kaffeefleck zu überleben, aber wer erwartet schon, dass eine Monduhr taucht wie ein U-Boot? Das hier ist kein Abenteuergerät für Tiefseejäger; es ist für den Erdenbewohner, der beim Scrollen durch E-Mails von Sternen träumt.

Das Zifferblatt ist der heimliche Protagonist, ein Bühnenbild aus tiefschwarzem Lack, der das Licht schluckt und reflektiert wie ein schwarzes Loch mit Attitude. Weiße Subdials in rhodium-plattierten Rahmen – für 30 Minuten, 12 Stunden und kleine Sekunden – stechen heraus wie Warnsignale in der Nacht, die Zeiger im klassischen Moonwatch-Stil rhodium-plattiert und mit Super-LumiNova gefüllt, damit sie im Dunkeln leuchten wie Glühwürmchen auf Patrouille. Das applizierte Omega-Logo hockt unauffällig oben, die Gesamtwirkung technisch kühl, fast chirurgisch präzise. Im Vergleich zu den matten Vorfahren wirkt der Lack wie ein Make-up-Upgrade: Eleganter, ja, aber auch ein bisschen eitel. Omega kassiert dafür rund 10.400 Dollar – ein Aufpreis, der sich anfühlt wie eine Steuer auf Stil. Die Begründung? Aufwendige Lackierung für mehr Punch. Fair, wenn man den visuellen Kick mag, aber es riecht nach cleverem Upselling: Warum nicht einfach zugeben, dass der Glanz die Uhr teurer wirken lässt, ohne sie grundlegend besser zu machen? Es ist wie ein neuer Lack auf einem alten Raumschiff – schöner Anblick, aber die Triebwerke bleiben dieselben.

Drinnen pulsiert das Kaliber 3861, ein manuelles Chronographenwerk mit Co-Axial-Hemmung, das die Zeit zähmt wie ein Dompteur ein wildes Tier. 50 Stunden Gangreserve, Silizium-Spirale, freischwingende Unruh – METAS-zertifiziert gegen Magnetfelder bis 15.000 Gauss, ein Schutzschild in einer Welt, wo Smartphones und MRT-Geräte wie unsichtbare Stürme toben. Der Handaufzug? Ein tägliches Ritual, das man entweder als meditative Pause genießt oder als lästigen Tribut an die Mechanik verflucht – je nach Laune. Durch den Saphirboden lugen rhodinierte Brücken mit Genfer Streifen, abgeschrägte Kanten, eine industrielle Symphonie, die ästhetisch überzeugt, ohne zu blenden. Fünf Jahre Garantie sind der Sicherheitsgurt: Zuverlässig, aber nichts, was einen umhaut.

Das Armband aus poliert-gebürstetem Stahl schmiegt sich ans Handgelenk, schließt mit einer Faltschließe und Mikroverstellung – solide wie ein Anker, bei etwa 142 Gramm Gewicht spürbar, ohne zu quälen. Doch hier zeigt Omega seine konservative Ader: Kein revolutionäres Schnellwechselsystem, keine ergonomischen Wunder. Es funktioniert, klar, aber es fühlt sich an wie ein Relikt in einer Ära, wo andere Marken mit Gadgets um sich werfen. Nehmen Sie die Rolex Daytona als Vergleich: Sie teilt die sportliche Seele, glänzt mit Automatik und Keramik, doch die Speedmaster kontert mit echter Raumfahrt-DNA und einem Preis, der nicht in Wartelisten ertrinkt. Die Omega wirkt ehrlicher – weniger Glamour, mehr Gravitas.

Omega hat nicht nur diese Stahlversion serviert, sondern auch eine in Moonshine Gold, ein hauseigenes Gold, das den Preis auf Luxus-Niveau katapultiert. Beide teilen das Reverse-Panda-Motiv, doch das Goldmodell wurde schon 2025 beim Met Gala angeteasert – ein subtiler Wink in die Glitzerwelt, wo Uhren zu Stars werden. Die Stahl-„Black & White“ bleibt erdverbundener, ein fester Katalogpunkt ohne künstliche Rarität. Sie balanciert auf dem Drahtseil zwischen Tradition und Trend: Der Lack macht sie moderner, fast marktgängiger, ohne den Kern zu verbiegen. Aber die Kritik nagt: Die Weiterentwicklung ist zaghaft, fast feige. Kein Titan für Leichtigkeit, kein Karbon für Avantgarde – nur Stahl und ein Hauch von Glanz, als ob Omega auf dem Lorbeer schläft, statt Neuland zu betreten. Es ist charmant, diese Treue zum Bewährten, aber auch ein bisschen träge, wie ein Raumschiff, das im Orbit kreist, statt zu neuen Sternen zu starten.

Am Handgelenk erzählt diese Uhr Epen: Von Neil Armstrongs zögernden Schritten, von der Apollo-Zeit, wo Zeit nicht nur ablief, sondern Geschichte schrieb. Im Alltag schmiegt sie sich unter Manschetten oder über Pullover, tickt Intervalle mit schweizerischer Präzision und lacht über Trends wie ein Kosmonaut über Schwerkraft. Ein Muss? Für den, der eine Chronograph mit Puls sucht, eine Uhr, die mehr als bloße Mechanik ist – ja, definitiv. Der Mythos wiegt schwer, die Vielseitigkeit passt, die Haltbarkeit überdauert. Wer aber nur einen Timer braucht, ohne den kosmischen Ballast, greift zu günstigeren Alternativen von Nischenmarken. Die 310.30.42.50.01.004 dreht keine Räder neu; sie dreht sie nur polierter – und das reicht, um sie ernst zu nehmen, mit einem Augenzwinkern.

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